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Nils Frahm – Live in der Volksbühne, Berlin

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Ein Chor aus „Shhh…“ raunt durch den altehrwürdigen, zum Bersten gefüllten Saal, jedes Türklacken, jedes Räuspern ist vernehmbar, weil das Bühnenlicht erlischt, nur ein Spot verbleibt und er kommt, jener Messe haltende schüchterne Schludrian, den knapp eintausend Menschen gekommen sind, zu huldigen – Nils Frahm. Der Nils, der macht gleich mit, mit dem „Shhh“, und der Ruhe, Ehrfurcht und Konzentration gebührende Saal muss grinsend über sich selbst lachen. Yep, so geht ein gelungener Einstieg, erst mal schön konterkarieren, dass sich hier lauter schnieke und vornehmlich junge Kunst- und Kulturkenner versammelt haben, um einer wahrlich famosen Spielart zeitgenössischer Unterhaltungsmusik zu frönen.

Es ist ja schon irgendwie was dran an dem alten Vorwurf, Deutschland kriege das nicht so richtig hin mit dem Pop. Zumindest im internationalen Maßstab gedacht. Was hat Schland derzeit zu bieten, was im Ausland wirklich erfolgreich ist? Worauf wird man angesprochen, fern der Heimat beim Gesprächsthema Pop? Mhm, genau: Rammstein und Tokio Hotel. Autsch. Klar, Deutschland hat The Notwist – und jeder Schlandrianer möge hier seine beste deutsche Musik einfügen, die es niemals nach Mexico City, Kuala Lumpur oder Houston schaffen wird – und Deutschland hat … Nur sind dies halt Repräsentanten von Nischen.

Doch ein Hoch auf die Nischen! Denn Deutschland hat im ewig undefinierbaren Genre des Electronica-meets-Klavier-Gefrickel, welches nur ungenügend mit Avantgarde, Neo-Klassik und was weiß ich tituliert wird, die nach einhelliger Fachmeinung zurzeit besten beiden Vertreter dieser vor driftender und wabernder Schön- und Erhabenheit strotzenden Popnische, und zwar weltweit: Hauschka und Nils Frahm. Da sich so was herumspricht heutzutage, geht das entsprechend schnell mit den ausverkauften Häusern. In Berlin wird die Volksbühne gleich doppelt an darauffolgenden Tagen bespielt.

Den Wind erfolgreich aus den Erfurchtssegeln mit einem ironisch-strengen „Shhh“ genommen, geht Frahm sogleich ans Werk. Und die ersten Minuten am Flügel machen sofort klar: Nein, die Melodien und Harmonien alleine sind es nicht, die alle in den Bann ziehen, sonst würden die schnieken, jungen Berliner jedem Pianisten die Bude einrennen. Es sind die sukzessive hinzukommenden, elektronischen Sounds, Beats und Samples, rhythmische Gegenpole zur melodiösen Träumerei, die die Würze, die die Magie, die das kollektive Baffsein erschaffen. Gibt sich der Saal zu Beginn, gleich dem Erwarten der neuen Folgen der spannenden Lieblingsserie, zunächst nach vorn gerichtet und gespannt, erweicht die Hörerschaft schon bald kollektiv und fläzt sich ermattet in die rot bepolsterte Volksbühnenbestuhlung vor so viel soundtechnischer Phantasterei. Vollkommen zu Recht wird sich die eine oder andere Träne aus dem Auge gewischt.

Vor lauter Soundglück in meinen Sitzplatz gedrückt stelle ich mir von der leicht pompösen Deckenbeleuchtung hängend eine Zeitrafferkamera vor, die das Wirken und Tun des Nils Frahm auf der Bühne schneller abspult. Es würde gewahr werden: Es ist tatsächlich einem echten DJ nicht unähnlich, wie Frahm da wuselt und frickelt, in einem zur Bühne offenen Rondell aus Flügel, Roland-Synthesizer, Loopmaschine, Mischpult, Orgel und einem dem Publikum eigens vorgestelltem Mellotron, einem Sampling-Urgerät, um hier und da ein Sample ein- und abzuspielen, einen Beat zu dropen, eine Tastenmelodie beizumengen.

Die Eintrittskarte für Nils Frahm in der Volksbühne war ein Ticket für eine Alice-im-Wunderland-Reise. Da hat während der Zugabe gar niemanden mehr überrascht, wie Frahm mittels Klobürsteneinsatz im offenen Flügel derbe Sounds kredenzt. Ein Hoch auf die Nischen!

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