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My Morning Jacket (Credit ATO Records)

My Morning Jacket – The Waterfall

My Morning Jacket aus Louisville, Kentucky gelingt, woran viele andere Acts oft scheitern: nämlich sich mit jedem Album neu zu erfinden. Die fünfköpfige Band um Sänger und Songschreiber Jim James hat schon so einiges probiert, von Western-Banjos auf „It Still Moves“ über die Neil-Young-Hommage „Evil Urges“ bis zum freak-folkigen letzten Longplayer „Circuital“ von 2011. Langzeitfans der Band werden jetzt einwerfen, dass es auf allen MMJ-Platten ein einendes Element gibt, dass sie keineswegs jedesmal von vorn anfangen: Okay, also gut, Prog-Rock ist die Basis ihres Sounds, nicht allzu dick aufgetragen, aber immer spürbar und mit ordentlich Hall.

Das ist auch auf dem neuen Album „The Waterfall“ so: Prog-Rock beziehungsweise eine vollbärtige Schlaghosen-Anmutung durchzieht alle zehn Songs, die mal in entrückter Tiefenentspannung wie das  Folkstück „The River“ (mit Fingerpicking und Engelschor!) daherkommen, aber auch sehr slick, smooth und mit versteckten Funk-Rhythmus schon beinah tanzbar sind wie „Compound Fracture“. Auch wenn man jetzt befürchtet, dass das alles gar nicht zusammenpasst: Keine Sorge, das tut es, und zwar perfekt.

Dass „The Waterfall“ so sämig wie goldener Honig in den Gehörgang läuft, liegt natürlich auch (oder vor allem) an Jim James‘ einzigartiger heller, glockenklarer Stimme, die alles aufs Harmonischste verbindet. In der adult-orientated-Ballade „Thin Line“ kommt sein Falsett-Organ besonders gut zur Geltung, James singt mit sich selbst im Chor, kontrastiert mit E-Gitarren-Soli, die dem Achtziger-Jahre-Rock á la Van Halen huldigen. Auch „Big Decisions“ wirkt wie aus der Zeit gefallen, die Gitarrenparts könnten von einem Foreigner-Album stammen, der Chorus von Huey Lewis.

Der Ausklang gerät mit „Only Memories Remain“ so wunderbar zurückgelehnt und soulig, dass man sich sofort wünscht, beim nächsten Konzert von My Morning Jacket dabeizusein, um mit diesem Song im Ohr und einer geliebten Person am Arm durch die Nacht zu schlendern – während MMJ vielleicht noch lange selbstvergessen weiterjammen (könnte passieren, bei dieser Mischung aus Relaxtheit und Spielfreude).

Beim Anhören von „The Waterfall“ könnte man glatt auf die Idee kommen, dass My Morning Jacket rundum glückliche Menschen sind. Jedenfalls teilen sie ihre Glücksgefühle mit den Fans, wofür man ihnen echt dankbar sein kann.

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