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Lianne La Havas (Credit Warner Music)

Lianne La Havas – Blood – Auf zur großen Karriere?

Schon das Foto auf dem Cover ihres neuen Longplayers „Blood“ deutet an, dass sich bei Lianne La Havas etwas verändert hat. Während sie auf ihrem Debut „Is Your Love Big Enough?“ noch leicht schüchtern nach unten guckte, sieht sie jetzt zumindest mit einem Auge direkt in die Kamera. Das andere ist durch ihren üppigen Haar-Dschungel verdeckt. Und auch die Bilder im CD-Booklet zeigen sie selbstbewusst in stilvollen Klamotten, die man in günstigen Ladenketten garantiert vergeblich suchen wird.

Der nächste Schritt in Richtung große Gesangs-Diva also, der ihr schon vor drei Jahren prophezeit wurde. Und warum auch nicht? Ihre Stimme ist großartig. Sie schreibt ihre Songs größtenteils selbst. Sie spielt ziemlich gut Gitarre und Klavier und ist dazu auch noch eine absolut attraktive Frau. Passt also alles schon mal. Inzwischen ist sie auch nicht nur drei Jahre älter, sondern auch noch um die Erfahrungen von über 120 Konzerten, großen TV-Auftritten, Award-Nominierungen und einer Top Ten-Platzierung für ihr Debut reifer.

Stellt sich natürlich die Frage, wie sich das alles auf „Blood“ bemerkbar macht. Während „Is Your Love Big Enough?“ noch ein verspielter Mix aus Folk, Pop, Soul und Jazz war, der zuweilen auch noch die eine oder andere ursprüngliche, rauere Kante hatte, gehen die zehn neuen Songs schon deutlich in Richtung große Produktion mit Breitwandeffekt. Und das recht gut. Stilistisch hat die 25-jährige dabei ihre Soul und R ‚n‘ B-Seite noch stärker in den Fokus gerückt.

Das macht schon der Opener „Unstopable“ klar. Aus einem sirenengesangsartigem Intro schält sich ein luftig groovendes R ‚n‘ B-Stück heraus, das Lianne La Havas direkt schon zu Beginn des Albums viel Raum zum Entfalten ihrer Stimme gibt. Kraftvoll, leidenschaftlich und emotionsgeladen. Das im Anschluss folgende „Green & Gold“ setzt dies mit einem jazzig-funkigen Touch fort. Dass sie auch klassischen R’n’B/Soul problemlos beherrscht zeigt sie in „What You Don’t Do“. Schon sehr Retro, aber ein schöner modernisierter Doo Wop-Shuffle, der einem direkt gut Laune in den Kopf zaubert und mitschnippen lässt.

Dieses Songtrio sorgt schon direkt zu Beginn des Albums für einen gelungenen Auftakt. Aber auch im späteren Verlauf kann sie mit Stücken wie dem beat-betonteren „Midnight“ und dem smoothen Eighties Late Night Funk von „Tokyo“ punkten. Ihre sensitive, lyrische Seite ist aber auch nicht verschwunden. Diese lebt sie in Balladen wie „Ghost“, „Wonderful“ und „Good Goodbye“ intensiv aus. Besonders schön kommt das, wenn sie sich wie auf „Ghost“ fast allein nur mit Gitarre begleitet.

Ein Song der allerdings nicht so ganz funktioniert, ist „Never Get Enough“. Analog zum Text kontrastiert sie hier Bossa Nova-artige Akustikteile mit düster, harten Ausbrüchen. Im Kontext des in sich harmonisch laufenden Albums fällt das Stück dadurch etwas heraus. Zu gewollt nach dem Motto „Ich kann auch anders“. Dieser Kontrast gelingt ihr besser bei „Grow“. Folkige Strophenteile treffen auf einen beatbefeuerten Refrain. Das Stück hat etwas von den opulent dramatischen 60ties Popballaden a la Dusty Springfield. Überhaupt schaffen es die farbigen einfallsreichen Arrangements der Songs, Lianne La Havas‘ durch diverse Emotionsregister gehende kraftvolle Stimme immer perfekt in Szene zu setzen.

Klar, „Blood“ ist kein Indie-Album, sondern zielt auf Breitenwirkung. Und man wird den Songs wahrscheinlich in nächster Zeit nicht nur in abgeschotteten Szene-Zirkeln begegnen, sondern sie auch bei Starbucks, im Radio oder in dem ein oder anderen Werbespot zu hören bekommen. Den großflächigen Erfolg hätte Lianne La Havas aufgrund ihres immensen Talents definitiv verdient.

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