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Der mathematisch strenge Prozess kam uns unnatürlich vor – The Bohicas im Interview

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Als Mitte des letzten Jahrzehnts die britische Gitarrenszene explodierte und Bands wie Franz Ferdinand, Arctic Monkeys, The Libertines oder The Rifles zahllose Hits für die Indiedisco aus dem Ärmel schüttelten, haben vier Jugendliche aus Essex und dem Osten Londons ganz genau hingehört. Heute, da viele Bands der sogenannten „Class Of 2005“ Geschichte sind oder mehr schlecht als recht an alte Erfolge anzuknüpfen versuchen, erinnern The Bohicas mit ihrem Debütalbum „The Making Of“ noch einmal an die Direktheit, Coolness und pure Energie dieser Szene. Wir sprachen mit Gitarrist und Sänger Dominic McGuinness über minimalistisches Songwriting, Unterschiede zwischen der amerikanischen und der britischen Rockszene und das Gefühl, als Band eine Gang zu sein.

MusikBlog: Ihr kennt euch bereits seit der Schulzeit und habt auch schon in unterschiedlichen Besetzungen als The Eighty Eights oder Rosco McQueen zusammen Musik gemacht. Wann wurde aus diesen Schülerbands The Bohicas?

Dominic McGuinness: Offiziell existieren The Bohicas seit 2013, aber wir spielten da schon ungefähr ein Jahr zusammen. Das war ein sehr intensives Jahr, in dem wir ständig geprobt haben, um herauszufinden, wie wir klingen wollen. Bei den Songs „XXX“ und „Swarm“ fühlte sich dann der Stil und der Sound erstmals ganz natürlich an. Von da an war die Richtung klar, in die wir gehen wollten.

MusikBlog: Was macht diese beiden Songs so besonders für euch?

Dominic McGuinness: Zuvor war unser Songwriting ziemlich unentschlossen, mal eher poppig, mal bluesig und mal ziemlich heavy. Diese beiden Songs sind musikalisch sehr ähnlich, beide basieren auf nur zwei Akkorden und einem minimalistischen Schlagzeug-Beat. Sie sind nicht sehr melodisch, beide nicht wirklich dynamisch – sondern hart, schnell und aggressiv. Bei „XXX“ gab es sogar die Idee, nur einen einzigen Akkord zu verwenden, am Ende wurden es aber zwei.

MusikBlog: War das auch der Moment, in dem euch zum ersten Mal klar wurde, dass The Bohicas anders sind als die vorherigen Projekte?

Dominic McGuinness: Als wir zum ersten Mal zu viert musiziert haben, spürte ich es schon. Wir spielten zuvor schon in der Band meines Bruders und auch in einigen anderen Bands, allerdings immer in kleinerer Besetzung – als Duo oder Trio. Auch „XXX“ und „Swarm“ fühlten sich wie kleine, wichtige Meilensteine an. Denn diese beiden Songs sind ziemlich simpel gestrickt und klingen daher nicht, als wollten wir irgendetwas Komplexes erzwingen, was uns nicht liegt. Es ist einfach Rockmusik. Die liegt uns, daher haben wir dort angesetzt und weitergemacht.

MusikBlog: Auch der Vertrag mit Domino Records im Jahr 2013 war sicherlich ein wichtiger Schritt für euch. Wie kam es dazu?

Dominic McGuinness: Mit ungefähr 17 Jahren spielte ich Gitarre und Klavier in der Backing-Band meines Bruders Eugene McGuinness und half ihm auch bei den Aufnahmen für seine Alben. Und da er bei Domino unter Vertrag ist, fragte mich das Label immer wieder, wie es mit meiner eigenen Musik steht. Sie waren stets sehr interessiert und irgendwann boten sie uns dann einen Plattenvertrag an. Das war zwar ein toller Moment, aber es änderte nichts daran, was The Bohicas im Kern ausmacht. Eine Band ist kein richtiger Job, sondern sollte immer Spaß machen. Man kann nicht mit der gleichen Einstellung an solch ein Projekt herangehen, mit der man zum Beispiel einen Bürojob bewerkstelligt. Das funktioniert nicht.

MusikBlog: Trotzdem gibt es ja auch in einer Band bestimmte Routinen, zum Beispiel muss man regelmäßig neue Songs schreiben und proben. Wie geht ihr da vor?

Dominic McGuinness: Meistens schreibe ich die Songs zuhause und nehme dann eine Demoversion auf. Allerdings sind das nie fertige Songs, schließlich sind wir ja eine Band und jeder soll sich einbringen können. Ich schreibe also ungefähr die Hälfte des Songs, anschließend arbeiten wir dann zu viert daran. Es gibt allerdings auch Ausnahmen, die Idee zu „Girlfriend“ kam zum Beispiel von unserem Bassisten Adrian Acolatse, „Only You“ schrieb ich mit meinem Bruder Eugene und „XXX“ mit unserem Produzenten.

MusikBlog: Und ihr arbeitet zuerst an der Musik und dann an den Lyrics?

Dominic McGuinness: Genau. Der musikalische Teil fällt mir viel einfacher, als Texte zu schreiben.

MusikBlog: Viele dieser Texte handeln von Liebe beziehungsweise erzählen typische Junge-trifft-Mädchen-Geschichten. Schreibst du am liebsten über diese Themen?

Dominic McGuinness: Fast alle meine Lieblingssongs handeln von Liebe oder Beziehungen. Es gibt zwar auch Ausnahmen wie „The Night They Drove Old Dixie Down“ von The Band über den amerikanischen Bürgerkrieg oder viele Songs von Randy Newman, aber der größte Teil dreht sich um Liebe. Und zumindest im Moment fühlt es sich für mich ganz natürlich an, auch über dieses Thema zu singen.

MusikBlog: Eure Musik dreht sich häufig um eingängige Melodien, griffige Riffs oder Hooks. Ist die Musik bei The Bohicas wichtiger als die Texte?

Dominic McGuinness: Ich würde schon sagen, dass beides gleich wichtig ist. Allerdings bin ich zurzeit einfach noch deutlich besser darin, Songs zu schreiben als Texte. Mir fällt es relativ leicht, Melodien zu schreiben, an den Lyrics sitze ich dagegen meist ziemlich lange.

MusikBlog: Abgesehen von einigen Overdubs habt ihr „The Making Of“ zusammen live im Studio eingespielt. Wolltet ihr so die Energie eurer Konzerte einfangen?

Dominic McGuinness: Es ging dabei nicht nur um die Konzerte. Wir proben ja auch gemeinsam in einem Raum und das ist es einfach, was eine Band im Kern ausmacht. Dieser mathematisch strenge Aufnahmeprozess, bei dem der erste Musiker seinen Part aufnimmt und geht, dann der nächste Musiker seinen Part einspielt, das kam uns  unnatürlich vor. Wenn man an eine Band denkt, dann hat man ein Bild vor Augen, wie mehrere Musiker zusammen in einem Raum oder auf einer Bühne stehen und gemeinsam Musik machen. Es geht ja auch um die Atmosphäre, um das Gefühl, eine Gang zu sein.

MusikBlog: Ihr habt euer Debütalbum mit drei verschiedenen Produzenten (Oli Bayston, Mark Rankin, Chris Hughes) aufgenommen. Hatten diese unterschiedliche Aufgabengebiete?

Dominic McGuinness: Ja, definitiv. Oli begleitet uns schon von Beginn an, er war der erste Produzent, mit dem wir je zusammen gearbeitet haben. Er sollte auf „The Making Of“ für einen einheitlichen Sound sorgen. Denn unsere liebsten Alben klingen so, als wären alle Songs im gleichen Raum aufgenommen worden. Dafür muss man den Gebrauch von Effekten einschränken, darf immer nur eine ähnliche Verzerrung für die Gitarren und einen ähnlichen Hall für den Gesang nutzen. Im Studio experimentiert man gerne mit dem Sound, weil man diesen auf so vielen Ebenen beeinflussen kann. Allerdings führt das dann oft zu einem schizophrenen, inkohärenten Klang.

Mark Rankin hatte zuvor an „…Like Clockwork“ von den Queens Of The Stone Age mitgewirkt. Wir lieben die Produktion des Albums und wollten daher so viele Tricks wie möglich von dieser Platte stehlen. (lacht)

Mit Chris Hughes arbeiteten wir nur vor und nach den Aufnahmen zusammen, er war nicht direkt an dem Prozess beteiligt. Er kümmerte sich um die Strukturen der Songs, da er ein unfassbares Wissen im Bereich Pop- und Rockmusik besitzt.

MusikBlog: Eure Musik ist ja zu großen Teilen von amerikanischer Rockmusik beeinflusst, zum Beispiel von The Strokes oder den erwähnten Queens Of The Stone Age. Gleichzeitig höre ich auch viele Referenzen an die britische Popmusik. Seht ihr euren Sound als eine Mischung aus beiden Einflüssen an?

Dominic McGuinness: Als wir aufwuchsen, beeindruckten uns die amerikanischen Bands viel mehr. Ich weiß nicht genau, woran das lag, aber Amerika hatte für uns einfach ein cooleres Image. The Strokes waren zum Beispiel alles, was du dir von einer Band wünschst. Sie kamen aus New York, sahen unverschämt gut aus und klangen toll. Aber es gab damals auch viele britische Bands, die wir mochten – Mystery Jets oder die Arctic Monkeys.

MusikBlog: Du hast nun eher aktuelle Bands genannt, aber Songs wie „Only You“ klingen sehr nach den 60ern. Hörst du auch viel Musik aus dieser Zeit?

Dominic McGuinness: Hauptsächlich sogar. Ich höre viel klassischen Motown und Rock aus dieser Epoche. Ich versuche auch immer mal, neue Musik zu entdecken, aber ziemlich oft lande ich wieder bei diesem alten Kram von Marvin Gaye, Kinks oder Beach Boys.

MusikBlog: Ein Debütalbum definiert ja immer auch, wie eine Band von der Öffentlichkeit gesehen wird. Habt ihr deshalb euer erstes Album „The Making Of“ genannt, weil es in gewisser Weise „The Making Of The Bohicas“ darstellt?

Dominic McGuinness: Genau. Es gibt natürlich noch andere Lesarten des Titels. Wenn man eine bekannte Phrase aus dem Kontext herausnimmt, hat jeder sehr unterschiedliche Assoziationen. Normalerweise erwartet man ein Making Of als Bonus auf einer DVD, nun ist es aber nicht die Beilage, sondern das eigentliche Produkt. Ein erstes Album erzählt ja auch immer, wie eine Band entstanden ist und sich entwickelt hat – insofern passt auch deine Assoziation. Es ist der Start, die Entstehung der Bohicas.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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