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Gabi Delgado – 2

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32 Tracks auf zwei CDs – Gabi Delgados neues Solowerk kommt enorm großzügig daher. Aus dem Vollen zu schöpfen und mit vollen Händen zu verteilen ist Delgados Lebens- und Arbeitsprinzip, und das nicht erst seit gestern. Schon anno 1981 sang er mit D.A.F. (Deutsch-Amerikanische Freundschaft) „Verschwende Deine Jugend“, einen der Schlüsselsongs der frühen Neuen Deutschen Welle, als deren Punkwurzeln noch sichtbar waren und sich begierig in Richtung Elektro ausstreckten.

Seit einiger Zeit lebt Delgado wieder in seiner alten Heimat, in der Nähe Córdobas – zu Deutschland hat er ein zwar zwiespältiges, aber auch unauflösbares Verhältnis. Seine Familie wanderte wegen des Franco-Regimes in den sechziger Jahren ins Ruhrgebiet aus,  Gabi wuchs mit der deutschen Sprache auf und wurde, siehe oben, zu einer prägenden Figur des hiesigen Pop. 

Doch während viele andere ehemalige NDW-Stars entweder zu bedauernswerten Karikaturen ihres einstigen Ruhms verkamen oder gleich ganz in der Versenkung verschwanden, machte Delgado nach dem (vorläufigen) Ende von D.A.F. einfach weiter, stets auf Höhe der Zeit und der technischen Ausdrucksmittel. Er arbeitete als Techno-DJ, Producer, House-Party-Veranstalter – und natürlich als Musiker und Performer, unvergessen seine Kooperation mit Wotan Wilke Möhring als DAF/DOS Mitte der Neunziger. D.A.F. reunierten ebenfalls, 2003 erschien das Album „Fünfzehn neue Lieder“.

Vor gut einem Jahr brachte er „1“ heraus, nach „Mistress“ von 1986 Delgados zweites Soloalbum – der Titel sollte einen neuen Abschnitt in seinem Schaffen bezeichnen, was ihm fraglos gelang. „2“ macht da weiter, wo „1“ aufhörte, beziehungsweise sollte man bei Gabi Delgado, der nach eigenen Angaben nur alle zwei Tage ein paar Stündchen Schlaf braucht, nicht in beschränkenden Kategorien wie Anfang und Ende denken. 

Typisch deutsche Knickerigkeit ist dem gebürtigen Spanier Delgado ein Dorn im Auge, Sparsamkeit respektive Geiz hält er für eine Todsünde, die die Menschheit ins Verderben reiten wird. Deshalb gibt es auf seinen Platten keine sieben oder neun Stücke, sondern zwanzig oder eben 32, wie auf „2“ – und er habe noch über hundert gute Tracks parat, die Veröffentlichung von „3“ wird nicht lange auf sich warten lassen.

Selbstredend produziert er alles in Eigenregie, mit echten Synthies, nicht am Computer: „Ich muss mich beim Aufnehmen bewegen“, so Delgado. „2“ ist ein Clubalbum par excellence, mäandernd zwischen Techno, House, Ibiza-Disco, Dark Electro, Trance und und und. Doch es wird nicht nur getanzt: Delgados Themen sind hauptsächlich Liebe und Politik, sein Umgang mit Sprache – der deutschen, aber auch der spanischen –  ist fesselnd und einzigartig. 

Wie schon früher mit D.A.F. verkürzt er gern zum Imperativ, wirkt aber niemals martialisch-platt wie Rammstein oder theatralisch und zweifelhaft wie Joachim Witt (man verzeihe bitte die Vergleiche – Delgado hat mit den Genannten nichts gemein). Delgados Stimme ist prägnant und kraftvoll, aber auch sanft und weich. Das verleiht dem Parolenton etwas sehr Sinnliches, was zu seinem Lieblingstopos „Sex“ hervorragend passt: „Hausarrest“ zum Beispiel beschreibt eine Versuchsanordnung besonderer Art, ein Paar sperrt sich dreißig Tage lang zuhause ein und macht nichts außer – ihr wisst schon was. 

Auch „Im Honig“, „Liebe, Sex und Drogen“, „Bikini“ oder „Küss mich“ sind unverhohlene Sex- bzw. Liebeslieder, unpeinlich, tanzbar, exzessiv, verschwenderisch. Große Klasse, wie einst „Der Räuber und der Prinz“ von D.A.F. Aber auch, wenn Delgado explizit politisch wird („Begrüßungsgeld“, „Geschichte“ oder „Kriegstanz“), oder schlicht und einfach zum Partymachen auffordert („Zerstör die Disco“, „Untergrund“), kriegt er die Leute sofort und ohne Umschweife.

Bei Comebacks von Leuten, die im allgemeinen Gedächtnis für eine bestimmte Zeit/Epoche/Strömung stehen, kann verdammt viel schiefgehen. Gabi Delgado dagegen zeigt, wie man auch mit knapp 60 ein würdevoller Clubgott sein kann. Auf die angekündigten Konzerte im Herbst darf man sich freuen. 

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