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Dave McCabe (Credit Bella Union)

Dave McCabe And The Ramifications – Church Of Miami

Man muss schon in dieser speziellen Aufbruchszeit neuerer Rockmusik zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit Leib und Seele dabei gewesen sein, um kurzlebigen Indie-Rock-Bands wie den Zutons etwas abgewinnen zu können. Haben sie doch mit ihrem letzten Lebenszeichen 2008 ein grottenschlechtes, auf den Radio-Mainstream schielendes Pop-Rock-Album aufgenommen und waren seither nicht nehr gesehen. Doch vor diesem unrühmlichen Ende und auch vor dem Amy Winehouse-Cover des Zutons-Songs „Valerie“, haben die Zutons ein ganz wundervolles, äußerst charmantes Debütalbum hingelegt, nur ist das halt schon elf Jahre her.

Hat ihnen offensichtlich nicht gut getan, mit „Valerie“ 2006 einen kleinen Hit gelandet zu haben, der ein Jahr später durch Mark Ronson und Amy Winehouse zum Megahit wurde und sich daraus vielleicht illusorische Ziele entwickelten. Macht man aber auch nicht, Mark Ronson, einer kleinen Band nur ein Jahr später einen Song wegzukaufen, weil er Hitpotenzial hat, und ihn seinen Drogen-Star performen zu lassen. Da das allem Anschein nach also mit den Zutons nichts mehr wird, oder aber einfach noch mehr Zeit vergehen muss, um eine Reunion ertragreicher zu promoten, nutzte Bandleader Dave McCabe die Kontakt- und allgemeine Zeitlage und bastelte fleißig an einem Soloalbum.

Aber was dabei herausgekommen ist, ist die Überraschung: lupenreiner Synthie-Pop mit astreinem Eighties Feeling. Dave McCabe, wird jetzt klar, war schon immer ein großer Liebhaber jener Dance-Pop-Ära, die von Depeche Mode und Human League geprägt wurde und ohne Kraftwerks Pionierarbeit nicht erblüht wäre. Und nun lebt er diese Seite aus.

Das Album selbst, mit „Church Of Miami“ sehr treffend betitelt, geht runter wie Öl. In Miami-Vice-Montur begibt man sich hier auf eine GTA-Cruising-Tour, und zwar im offenen Cabrio bei Sonnenuntergang. Alte, ihren Charme nicht verloren habende, Synthie-Spannungsbögen und Melodiegewitter dröhnen aus den Lautsprechern („Fake Imotion“, „Too Damn Good“), lässige Rhythmusparts grooven mit angestaubten Beats um die Wette („Church Of Miami“). Dave McCabe’s erstes Soloalbum hat schöne Schokoladenseiten.

Leider hat es aber auch, im Sinne der Öligkeit, schnell entfleuchende Belanglosigkeiten und Vergessenswertes. In der Tendenz steht „Church Of Miami“ eher dann ohne aufgehendes Konzept da, wenn es bedächtig und balladesk wird. An der hohen Kunst der Synthie-Ballade muss McCabe noch feilen, zu deutlich lehnt er sich konzeptuell an erwähnte Referenzgrößen an, und kommt manches Mal dem Zitat-Pop zu nah.

Aber wer sich erinnert, wie schmerzhaft traurig das Schiff namens Zutons versenkt und verschenkt wurde, wird sagen können: Das ist ein großer Schritt voran, Dave McCabe.

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