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Elvis Perkins – I Aubade

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Auch in diesem Jahr hat Elvis Perkins seinen leichten Knacks nicht verloren. Mit „I Aubade“ versammelt der New Yorker wieder krude Folk-Skizzen, die harmoniebedürftigen Ohren erneut ein paar Beinchen stellen. Doch mit ein wenig Geduld und gutem Willen kann man viel Eleganz in seinem dritten Album entdecken, das der 39-jährige nahezu im Alleingang aufnahm. „I had the impulse to hear what would happen if left to and with my own devices“, so Perkins selbst zum Produktionsprozess.

Vielleicht ist das der Grund dafür, warum man teilweise das Gefühl hat, ihm beim Singen unter der Dusche zuzuhören – oder beim Ukulele-Stimmen. Perkins´ Nuscheln und Summen passt perfekt zu den Jangle-Gitarren und dem Akustik-Geschrammel, das den unfertig wirkenden Songs nicht nur eine charmante Demo-Note verleiht, sondern auch die Intimitätsrate extrem nach oben steigen lässt. Das erinnert ein wenig an Sufjan Stevens, der sich auf seinem letzten Album ebenfalls in einem sehr reduzierten Klangbild präsentierte.

Es könnte sein, dass diese Affinität gegenüber Lo-fi und DIY-Produktion auf die frühere Subkultur von NYC zurückzuführen ist. Anfang 2000 formierte sich hier die Antifolk-Bewegung mit ihren Protagonisten Kimya Dawson und Adam Green, die als die Moldy Peaches auftraten und nicht nur Julian Casablancas mit ihrem roughen, ungeschliffenen Gitarrensound begeisterten. Perkins könnte mit seinen nerdigen, herrlich unperfekten Songs fast für ein Revival sorgen. Und doch verbirgt sich in den simplen Akustikentwürfen immer wieder ein Hauch kompositorischer Glänze und Finesse.

„& Eveline“ mit seinem Harfeneinsatz ist so ein Fall. Oder das leicht beschwipste Piano auf „All Today“, auf dem dann auch deutlich werden sollte, weshalb Perkins zu seiner Appartement-Apathie getrieben wurde. Sicherlich nicht allein wegen der Einsamkeit. Die Biographie des Musikers gibt diesbezüglich einige Hinweise: Sein Vater, der berühmte Schauspieler Anthony Perkins, der mit Hitchcocks Klassiker „Psycho“ weltberühmt wurde, starb an HIV. Seine Mutter, die als Photographin arbeitete, starb als Flugzeugpassagierin bei den Anschlägen des 11. Septembers.

Zwischen den überwiegend infantilen und albernen Momenten ist sie dann manchmal ganz abrupt da, jene gewaltige Wucht an bitterer Melancholie. Sie fällt nicht direkt auf, doch auf einmal macht sie sich im Flur breit und bröckelt von der Tapete. Während Perkins durch seine Wohnung wandert, in der die Erinnerungen kleben. Und so pendelt das Album zwischen leichter Heiterkeit und galantem Trübsal.

Aber Perkins überfällt seine Hörerschaft nicht und genau das macht „I Aubade“ zu einem echten Grower. Dafür sorgt mitunter auch der obskure Humor: „Say, you’re a much nicer person / Since the hog’s heart was inserted in you / Say how it is now with your new life“ heißt es etwa in „Hogus Pogus“. Und man meint, dass es gerade dieser Wunsch nach Neustart ist, der sich durch alle Songs zieht und Perkins bis in seine Waschküche verfolgt.

Zum Glück hat er sich aber nicht ganz abgeschottet. Einige befreundete Musiker haben ihn während der Produktion nämlich nicht nur besucht, sondern ihm auch unter die Arme gegriffen. Dazu gehören unter anderem Bandmitglieder von Dearland, sowie die Sängerin Cornelia Livingston.

Generell würden Perkins ein paar Mitbewohner gut tun. Und die würden ihre reine Freude mit ihm haben. Er scheint zwar manchmal ein wenig introvertiert, aber letzten Endes ein sozialverträglicher Typ zu sein. Und vor allem ein versierter Geschichtenerzähler – der zwar Gitarre spielt, aber noch nie die Nachbarn gestört hat. Die Miete wird auch immer pünktlich auf dem WG-Konto landen. Denn der Songwriter arbeitete zuletzt an Filmmusik und sitzt nun bereits fleißig am nächsten Material.

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