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James – Girl At The End Of The World – Unterm Radar

„What a bitch, bitch, bitch, bitch, bitch“! Was sich liest, wie die Zeile aus einem plumpen Hip-Hop-Track, ist in Wirklichkeit Auftakt zum nunmehr vierzehnten Album der britischen Wavepopper James.

Dass ihre unschuldigen Songs gelegentlich auch mal weniger unschuldige Texte haben, ist für die Band nichts Neues, eine solche Forschheit ist dann aber doch eher ungekannt und ob des fortgeschrittenen Alters der Protagonisten mindestens ein kleines „Oho“ wert.

Davon abgesehen, werden allerdings Allgemeinverträglichkeit und Wohlklang ganz groß geschrieben. Und deshalb ist diese Platte im Oevre der Band eine wie jede andere. Obwohl James eigentlich seit jeher mit neuen technischen Möglichkeiten gespielt haben, lässt sich an ihrer Musik nichts finden, das man nur im Ansatz als Experiment oder gar Wagnis bezeichnen könnte.

Das ist der Hauptgrund, warum sie sich seit drei Dekaden konstant unterm Radar bewegt. Nicht unbedingt den Erfolg betreffend. Der ist auf der Insel in etwa vergleichbar mit dem Stand von PUR hierzulande. Aber in Bezug auf Relevanz, auf den bedeutenden Fußabdruck in den Annalen der Popmusikgeschichte – dafür waren und bleiben James zu harmlos und gefällig.

„Girl At The End Of The World“ schickt zwölf harmoniebedürftige Popsongs mit akzentuiertem Postpunk- und Waveeinschlag ins Rennen. Die streifen dann auch mal gefährlich nahe an Kitsch und Schlager entlang („Feet Of Clay“, Nothing But Love“).

Tim Booths kehlig-entrückte Stimme ist schmeichelhaft wie eh und je und in den besseren Momenten sogar der federführenden Leichtigkeit von Death Cab For Cuties Ben Gibbard sehr nahe. „Catapult“ hätte mit seinem stoischen Elektrobeat und Achtelbass sogar zu The Postal Service gepasst, wären da nicht noch die klebrigen Synthesizer.

„Attention“ wiederum plumpst kalkuliert aus der Zeit und schlägt in der 80er-Jahre Disco direkt zwischen Pet Shop Boys und A-ha auf. Nur, dass die Melodien von letzteren auf dem Nachhauseweg eventuell noch durch die Synapsen geistern, während die von James von den schwarzen Löchern im Gedächtnis absorbiert wurden.

Diese Band kann trotz der ruppigen Exposition keiner Fliege was zu leide tun. Und vielleicht ist es genau deshalb so bedenklich, dass man sich auch gut vorstellen kann, wie EU-Gegner zu James ihren Erfolg begießen, sollten die Briten im Sommer mit ihrem Referendum tatsächlich den EU-Austritt wahr machen.

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