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Låpsley (Credit XL Recordings)

Lapsley – Long Way Home

Man könnte versucht sein, Holly Lapsley Fletcher vorschnell in die Adele-Schublade zu stecken: Okay, ihre Songs wie „Love Is Blind“ oder „Hurt Me“ sind durchaus vergleichbar mit den emotionalen Herzschmerz-Balladen Adeles. Und auch, dass das Debütalbum der erst 19-jährigen Låpsley (sie wählte den Mädchennamen ihrer Mutter als Künstlerinnenname) bei XL Recordings erscheint, also dem Label, das auch Adeles Platten herausbringt, könnte als Hinweis darauf gelesen werden, dass mit Låpsley eine Nachfolgerin aufgebaut werden soll – aber derlei Überlegungen greifen zu kurz und sind schlichtweg nicht gerechtfertigt.

Denn Holly Fletcher ist eine im Garn gefärbte Singer-/Songwriterin, deren ganzes junges Leben darauf ausgerichtet war und ist, Musik zu machen: Aufgewachsen ist Låpsley in Southport, Merseyside, UK. Ihre Eltern achteten auf eine klassische musikalische und sportliche Ausbildung: Bis heute ist Låpsley begeisterte Seglerin.

Doch ihre große Liebe gehört der Musik, spielt verschiedene Instrumente, unter anderem Oboe, Piano, Gitarre – wobei ihr prägnantestes Instrument die eigene Stimme ist. Klassische Musik war aber erst der Einstieg für Holly/Låpsley: Es war ein „Erweckungserlebnis“, als sie zum ersten Mal My Chemical Romance hörte.

Seither war sie Mitglied mehrerer Southport-Bands, ist sowohl intime Kennerin als auch Bestandteil der Szene und ist überdies als Produzentin tätig. Mit der EP „Understudy“ erregte sie vor gut einem Jahr erstmals breitere Aufmerksamkeit, dem lang erwarteten Album „Long Way Home“ ist sicherlich noch größerer Erfolg beschieden.

Wenn Låpsley über sich und ihre Musik spricht, stellt sie klar, dass „lustige Lieder über Nachtclubs und Cocktail-Trinken“ nicht ihre Welt seien, und dass wohl ihre gesamte Karriere von traurigen Dingen handeln wird. In der Tat, Låpsleys Songs sind tieftraurig, „dead emo“, wie sie augenzwinkernd feststellt.

Doch man fühlt sich von Stücken wie „Operator (He Doesn’t Call Me)“ nicht deprimiert, ganz im Gegenteil. Låpsley Stimme ist voller Power und Variationsreichtum, mühelos wechselt sie die Oktaven, mal klingt sie wie eine Soul-Queen, dann wieder wie das traurige Mädchen, aus dessen Perspektive sie textet und singt.

Apropos Variationen: Anders als Adele ist Låpsley nicht der Balladenform verpflichtet, sie experimentiert mit glamourösem Discosound (siehe/höre „Operator“), James-Blake-haftem, dunklem Trip-Hop und ist sowieso ein Kind der Jetztzeit: Låpsley gibt Grimes und Caribou als wichtigste Einflüsse an, und auch, wenn der inhaltliche Fokus ihrer eigenen Songs auf Emotionalität und Trauerbewältigung liegt, sind die Spuren elektronischer PionierInnen wie eben Grimes auf Låpsley Album spürbar.

Kurzum: Låpsley ist auf dem besten Weg zur großen Karriere. Und wer war doch gleich Adele?

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