Selten sind unterschiedliche Releasetermine in unseren globalisierten Zehnerjahren geworden, erst recht seit letztem Jahr, seit dem der Freitag endlich der einheitliche internationale Veröffentlichungstag wurde. Aber Palehounds charmantes Do-It-Yourself-Indie-Rock-Debüt erschien bereits letzten August, nur eben ausschließlich in den Vereinigten Staaten.

Nun darf man Ellen Kempners Debütalbum „Dry Food“ auch hierzulande erwerben. Die Bostonerin hat den Charme der Pixies, die Sprödigkeit Pavements und die Attitüde der Bundesstaat-Kollegen Speedy Ortiz. Letztere sind wahrscheinlich auch der Grund, warum Ellen Kempner mit ihrer Sanftheit und Ruhe ausstrahlenden Stimme bis zu uns vordringt. Mit Speedy Ortiz’-Gitarristin und -Sängerin Sadie Dupuis hat Ellen Kempner die richtige Freundin, um im Indie-Business Eintritt und Starthilfe zu bekommen.

Doch mitnichten ist Palehound ein Produkt reiner Szene-Connection. Kempner, die sich für Gitarre, Bass und Gesang selbst verantwortlich zeigt, hat bereits mit ihrer Debüt EP „Bent Nail“ für positive Reaktionen gesorgt. Nur am Schlagzeug braucht sie im Studio fremde Hilfe.

Mit „Dry Food“ etabliert sich Palehound nun als junge, ernstzunehmende Indie Rockerin, deren Potenz vor allen in der Lyrik steckt. Schöne Songs über Liebe und Verdruss, stimmungstechnisch alten Pixies-Scheiben nahe, zelebriert Kempner, ohne dabei gefühlsduselig zu wirken. Denn da gibt es ja noch den Rock-Belzebub, der wohl gesetzt mit kräftigen Riffs ab und an Power in die emotionale Angelegenheit bringt.

„Dry Food“ wirkt vielleicht nicht auf den ersten Blick sonderlich aufregend, hat aber alle Ingredienzien, Ehrlichkeit, emotionale Anschlussmöglichkeiten und kluge Rock-Melodien, die ein Do-It-Yourself-Album braucht. Mit zunehmendem Konsum erschließt sich hier eine hübsche Schönheit, die zwar nicht so schnell kickt wie ein Energy-Drink, dafür aber länger bleibt.

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