Beaty Heart – Till The Tomb – Mehr Schein Als Sein

Drei aus dem Ei gepellte Hipster machen das, was die meisten ihrer modisch affektierten Artgenossen zur Maxime ihrer Existenz erkoren haben: Mehr Schein als Sein. Das ist schade, denn die Voraussetzungen, um entweder als Tüftler und Denker oder aber als breitwandige Popillustratoren zu glänzen, wären durchaus gegeben. Beaty Heart verweigern sich beidem.

Bereits mit ihrem Debütalbum „Mixed Blessings“ hatte das Londoner Trio vor zwei Jahren im Kreise der scheinbar Informierten für Aufsehen gesorgt, die Schwelle zur Bedeutung aber nie so wirklich übertreten. Man darf ihnen mittlerweile Absicht unterstellen, denn die zweite Scheibe „Till The Tomb“ schlägt in die gleiche Kerbe.

Handwerklich gibt es an diesem verspielten Popentwurf erneut nichts auszusetzen. Farbenfrohe, reduzierte Beats und sachter Reggae-Vibe unterstreichen die Geschmackssicherheit der Band.

Die Songs plätschern aber vielerorts so spannungsarm vor sich hin, dass sie zwar als angenehm-stylisches Hintergrundrauschen durchgehen, aber kaum jemanden dazu bewegen werden, die Shazam-App anzuwerfen, um die Urheber aufzuspüren.

Lässig soll alles klingen, und bloß nicht überreizen. „Green Grease“ ist so ein Song, der sich nicht hetzen lässt, dem der eiernde Pfeifton aus dem Synthesizer heilig ist und drum herum bereits alles zur Kür zählt, was nicht Stimme ist. Es wurde zwar schon mit deutlich weniger eine Soundpredigt gebastelt, aber auch schon mit deutlich mehr zu einem Recordingworkshop auf dem Land geladen.

In eindrücklicheren Momenten, wie dem schillernd-sommerlichen „Glaze“, erinnern Beaty Heart an die weniger melancholische Seite von Moderat, jedoch ohne deren Intensität zu erreichen. Zu oft verlieren sich die Songs in unergiebigen Spielereien, zu oft fehlt dem Soundgerüst die letzte Konsequenz.

Eigentlich saßen mit David Wrench und Dave Eringa zwei Produzenten an den Reglern, die wissen, wie es geht. Sie haben bereits FKA Twigs und Caribou zu unverkennbarer Ästhetik verholfen. Fairerweise muss man allerdings zugeben, dass diese Künstler von sich aus ihre deutlich eigenständigere Duftnote und vor allem die deutlich besseren Songs hatten.

Das Hauptproblem liegt in Beaty Hearts Entscheidungsschwäche: Um so richtig in die minimalistische Experimentalwelt einzudringen, sind sie viel zu poppig, um den großen Eindruck zu hinterlassen, viel zu zaghaft.

Was bleibt ist ein Album, das weder Fisch noch Fleisch ist, weder Sizarr noch Bastille und am Ende mehr Schein als Sein!

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