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Seasick Steve – Keepin‘ The Horse Between Me And The Ground

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Dafür, dass Seasick Steves Musikerkarriere erst jenseits des sechzigsten Lebensjahres mit dem in der eigenen Küche aufgenommenen Solo-Debut „Dog House Music“ und einem BBC Auftritt bei Jools Holland in Fahrt kam, war sein Output an Tonträgern in den letzten zehn Jahren beeindruckend.

Seine achte Platte erscheint jetzt unter dem Titel „Keepin’ The Horse Between Me And The Ground” und die Geschichten des ehemaligen Wanderarbeiters klingen darauf wieder so authentisch, dass sie die Intensität jener Jahre, in denen er unter Brücken schlief, nachhallen lassen.

Die hatten mit Hobo-Romantik nichts gemein, Fahrten auf Zugdächern, das Hausen mit Kumpanen in verfallenen Hütten, ausgeliefert der Kälte und Polizeiwillkür – all das war jedoch nichts im Vergleich dazu, was dem Heranwachsenden widerfahren wäre, wenn er seine feste Absicht, seinen Stiefvater zu erschlagen, in die Tat umgesetzt hätte.

Nach rastlosen Jahren wurde der Sohn eines Barpianisten Anfang der Neunziger vorrübergehend in Olympia sesshaft, produzierte dort zu Hochzeiten des Grunge Alben von Modest Mouse. Der Entschluss, selbst Musiker zu werden, begann allerdings erst mit dem Spontankauf einer kaputten Gitarre.

Auf dieser und weiteren selbstkreierten Instrumenten, die auf Namen wie Cigar Box Guitar, Trance Wonder oder The Dirt Digger hören, entstand seitdem roher Blues, der heult, groovt, flüstert und trauert und mit den Füßen auf dem Holz der Mississippi Blues Box begleitet wird.

Für Selbstmitleid ist allerdings kein Platz. Dafür ist Steve, dessen wirkliches Alter weiter Geheimnis bleibt, zu stolz auf die eigene Energie, den Lebenswillen, der den Mann trotz Herzinfarkts vorwärtstrieb.

Der Fundus an Storys des Wahlnorwegers scheint unerschöpflich, es gleich wieder 20 neue Songs, auf denen er sich getreu dem Motto seiner 2011er Platte „You Can`t Teach An Old Dog New Tricks“ nicht neu erfindet, aber seinem Kosmos aus Blues, Folk, Rock und Boogie-Woogie neue Sterne hinzufügt.

So klingt er zu Beginn des Titeltracks und während dem folgenden „Walkin Blues“ wie Jack White unplugged, treibt im temperamentvollen „Gypsy Blood“ den Gaul zwischen ihm und den Boden ordentlich vorwärts, bewegt sich im dunklen „Hell“ auf John Lee Hooker Pfaden.

Ein Banjo führt „Southern Biscuits“, die Fidel wimmert die traurige „Lonely Road“ entlang. Was sich in „Bullseye“ noch unterkühlt andeutet, wird in „Shipwreck Love“ eine Kernaussage: Steve bleibt standhaft, will sicherer Hafen für die Untiefen der Seele sein. Das gilt für die gesamte Platte, auf der seine Stimme vor Kraft strotzt, sich aber auch stets auf die leisen Momente versteht.

Ein wenig Jon Spencer oder Mark Lanegan glaubt man im weiteren Verlauf der Aufnahmen zu entdecken, aber immer bleiben die Blues-Interpretationen auf der von Seasick Steve komplett in Eigenregie geschriebenen und produzierten Platte eindeutig ihrem Urheber zuzuordnende Unikate.

Wenn das späte Album-Highlight „Signed D.C.“ sich in die Johnny Cash Liga spielt, wird verständlich, warum der Protagonist gegenwärtig mit „Ich habe im Augenblick die beste Zeit meines Lebens und Mann, Junge, es ist ein höllischer Ritt!“ zitiert wird. Schön, dass wir mitreiten dürfen.

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