Ty Segall – Ty Segall

Der Ty. Da rockt er wieder. Süffisant wie sein kruder Humor heißt das neueste seiner an Anzahl unüberschaubar und unzählbar gewordenen Studioalben just genauso wie sein allererstes. Soweit sein kleines Statement bezüglich großer Kunst-wollender Konzeptionen und bedeutungsschwangerer Albumtitel.

Was wir auf dem 2017er „Ty Segall“ bekommen, ist – im Gegensatz zu den munteren genre-treuen Konzeptalben mit seinen Garage-, Noise- oder Glam-Rock-Sidekicks Fuzz, Gøggs, dem T-Rex-Coveralbum und manch munterem Vergangenheitsausflug der Ty Segall Band – the full package.

Brutale Noise-Rock-Ausbrüche in feinster Ty-Manier, Glam-Rock-Passagen als hätten die 70er eine bis heute gültige Kulturdiktatur ausgerufen.

Aber dann doch auch endlich wieder der softe Ty, mit Beatles-infiziertem Gitarren-Sing-Sang, ruhigen Folk-Augenblicken der leicht ironischen Bob-Dylan-Andacht, und – neu – Kyuss-Gedächtnis-Psychedelia.

Gerade dieser stoner-rockende, balladeske Kyuss-Moment im längsten Track „Warm Hands (Freedom Returned)“, mit seinen mäandernden Gitarrenläufen, stellt einer der schönsten, aber auch überraschendsten Augenblicke auf einem Ty-Segall-Album dar, welches derart locker-leicht alle Rock-Facetten dieses famosen Guitarero ausstellt, dass es fast schon eine Frechheit ist.

Selbstredend kommt „Ty Segall“ – der Seventies-Diktatur gemäß – völlig ohne Overdubs aus und ist eine dreist-souveräne One-Take-Liveaufnahme.

Einen besseren Garagen-Rocker als Ty, die Kritikerspatzen pfeifen es schon lange von den Dächern, gibt es nicht. Den Garagen-Rock-Beelzebub, keiner treibt ihn uns schöner aus als dieser kalifornische Schelm.

Dabei glänzen die einzelnen Alben nicht durch in die Rockgeschichte eingehende Großartigkeiten. In ihrer Summe generieren sie vielmehr ein Substrat, einen Most, der Vintage-Treue und I-don’t-care-Punk-Attitüde vereint und zur gitarren-tragenden Attacke auf alle fancy Konventionen, inklusive Albumbewertungen bläst.

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