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Nick Mulvey (Credit Jenna Foxton)

Nick Mulvey – Wake Up Now – Hybride Hymnen

Wegen des Brexit-Votums kann man eine Menge Trübsal blasen. Wenn einem dann noch die kalte, britische Brise ins Gesicht peitscht, kann man schon einmal die Hoffnung verlieren. Nick Mulvey hat da aber ein paar Gegenmittel und träumt sich Richtung globalen Süden. Ganz ohne Klischee und Kitsch.

Das Gründungsmitglied des Portico Quartets entlockt der Gitarre auch auf seinem zweitem Album hybride Hymnen. Schon in seiner früheren Band musste er sich nie in den Vordergrund rücken, achtete nie nur auf Melodie, sondern auch auf Struktur.

Studiert hat der ehemalige Mercury Prize-Nominierte in Kuba. Und tatsächlich, man spürt das Flair von Havanna in Songs wie „Myela“ oder dem galanten „Lullaby“.

Die repetitiv ausgefallenen Muster auf Stücken wie „Remembering“ erinnern hingegen eher an afrikanische Musik. Mulvey akzentuiert Perkussion, bündelt semi-puristischen Folk in Tradition von Junip mit Einsprengseln, die man grob vereinfacht Weltmusik nennen könnte.

Mit Perlen wie „Mountain To Move“ beweist der beschwingte Romantiker, dass man auch mit simplen ukulelen-artigen Hooks Berge versetzen kann. Und dass eine Klampfe auch mal die Band ersetzen kann. Mulvey weiß sie jedenfalls vielfältig einzusetzen und besticht auf „Wake Me Up Now“ durch ein reiches Spektrum. Der Singer/Songwriter leistet sich hier wirklich kaum Fehlpässe.

Kann der Typ Jack Johnson und Ben Howard beim nächsten Lagerfeuer am Strand nicht einfach Ratschläge geben? Er könnte es sich jedenfalls erlauben. Doch anscheinend träumt Mulvey lieber vor sich hin. Und übt weiter Fingerpicking.

Am Ende klingt seine Gitarre in „Infinite Trees“ fast wie eine Harfe. Und wir haben ganz vergessen, dass wir noch immer in England sind.

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