MusikBlog - Entdecke neue Musik

Wir haben gemerkt, dass uns etwas fehlte – Django Django im Interview

Nach ihrem selbstbetitelten, Mercury-Prize-nominierten Debütalbum von 2012 und dem drei Jahre später veröffentlichten Zweitwerk “Born Under Saturn” kommen Django Django morgen mit ihrem dritten Longplayer namens “Marble Skies” um die Ecke. Abermals verlaufen die Sound-Grenzen fließend. Art-Pop, Elektro-Pop, Psychedelic-Pop: Im Django Django-Universum ist bleibt alles erlaubt. Umgeben von Genre-verwischenden Klangstrukturen und mit bezirzenden Harmonien im Gepäck schlagen die Briten eine stabile Soundbrücke zwischen alt und neu.

Wir trafen uns kürzlich mit Bassist Jimmy Dixon zum Interview und sprachen über fehlende Gefühle, neue Gesichter und das Arbeiten im Kompromiss-Modus.

MusikBlog: Jimmy, ihr habt euer letztes Album “Born Under Saturn” in einem großen Studio aufgenommen. Euch stand in puncto Equipment so ziemlich alles zur Verfügung – eigentlich der Traum eines jeden Musikers. Für das neue Album seid ihr wieder in den Weniger-ist-mehr-Modus gewechselt. Warum?

Jimmy Dixon: Wir haben uns ganz bewusst für diesen Weg entschieden. Natürlich ist es schön, wenn man aus dem Vollen schöpfen kann, keine Frage. Ich denke, dass wir das beim letzten Album auch richtig genossen haben. Wir haben aber auch gemerkt, dass uns etwas fehlte, was eigentlich sehr absurd klingt, wenn man bedenkt, was uns alles zur Verfügung stand. Aber das, was uns fehlte, war nichts was man anfassen und irgendwo einstöpseln oder bedienen konnte.

Es ging dabei eher um ein Gefühl. Uns fehlte einfach das Gefühl, das man hat, wenn man richtig kreativ arbeitet. Das ganze Basteln, Puzzeln und Tüfteln war irgendwie nicht so richtig präsent, verstehst du? Wir wollten mehr Ecken und Kanten. Um uns herum war aber alles perfekt. Das passte irgendwie nicht so richtig zusammen. Diesmal wollten wir wieder so arbeiten wie damals, als wir unser Debütalbum aufgenommen haben. Da stand und fiel alles mit unseren Ideen und unserem Willen, Dinge, die vermeintlich nicht passten, passend zu machen.

MusikBlog: Ist es euch leicht gefallen, wieder einen Gang zurück zu schalten?

Jimmy Dixon: Uns kam zu Gute, dass wir diesmal keinen großen Zeitdruck hatten. Beim letzten Album sind wir eigentlich direkt nach der Tour ins Studio gegangen. Das war alles sehr eng und hektisch. Diesmal haben wir es wesentlich ruhiger angehen lassen. Wir wollten einfach wieder mehr experimentieren und uns für unsere Ideen mehr Zeit nehmen. Das hat von Beginn an super geklappt.

MusikBlog: Am Sound-Fundament hat sich aber nicht viel verändert. Soll heißen: Eingängige Pop-Vibes treffen auf mitunter ziemlich verschachtelte Strukturen. Man könnte meinen, ihr hättet euren musikalischen Pfad gefunden. Ist dem so?

Jimmy Dixon: Nach drei Alben hat man sicherlich schon eine genauere Vorstellung. Aber ich würde mich jetzt nicht hinsetzen und sagen, dass wir in puncto Sound und Strukturen durch sind. Wenn man sich die Unterschiede zwischen dem letzten Album und “Marble Skies” vor Augen führt, dann merkt man, dass wir durchaus in der Lage und auch bereit und willig sind, uns musikalisch weiter zu entwickeln.

MusikBlog: Ihr hab mit Anna Prior (Metronomy) und Rebecca Taylor (Slow Club) zwei sehr interessante Gäste auf dem Album. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Jimmy Dixon: Nun, wir kennen die beiden schon ziemlich lange. Mit Metronomy waren wir 2012 gemeinsam auf Tour. Das war eine tolle Zeit. Seitdem haben wir uns nicht mehr aus den Augen verloren. Anna ist einfach eine großartige Schlagzeugerin. Wir haben sie in London einfach ins Studio eingeladen. Wir wollten einfach mal ein bisschen Input von außen mit einbeziehen. Das hat dann so gut geklappt, dass mehr draus wurde.

MusikBlog: Und Rebecca?

Jimmy Dixon: Rebecca haben wir das erste Mal getroffen, als wir zusammen mit Slow Club beim South by Southwest Festival gespielt haben. Das ist jetzt schon ein paar Jahre her. Aber auch hier ist der Kontakt nie abgebrochen. Letztes Jahr wurde es dann wieder richtig eng, als Dave das Debütalbum ihres Soloprojekts „Self Esteem“ produzierte. Und als wir dann mit dem Track „Surface To Air“ beschäftigt waren, mussten wir sofort an Rebecca und ihre einzigartige Stimme denken. Tja, auch das passte dann super.

MusikBlog: Ihr seid ja eine Band, in der jedes Mitglied in jeden Prozess involviert ist. Fluch oder Segen?

Jimmy Dixon: Das kommt immer ganz drauf an. (lacht) Musikalisch kommen wir eigentlich immer ziemlich schnell auf einen Nenner. Da sind wir nach drei Alben mittlerweile in einem ziemlich guten Flow. Textlich ist es schon schwieriger. Da ist es wichtig, dass nicht jeder auf jedes einzelne Wort besteht. Sonst kann sich das ganz schön lange hinziehen. Das haben wir aber mittlerweile auch ganz gut im Griff.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

Schreibe einen Kommentar

Das könnte dir auch gefallen

Album

Ani DiFranco – Unprecedented Sh!t

Album

Cassandra Jenkins – My Light, My Destroyer

MusikBlog Newcomer

JUNI – Late To The Party – Debüt-EP

Login

Erlaube Benachrichtigungen OK Nein, danke