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Jonathan Wilson (Credit Andrea Nakhla)

Jonathan Wilson – Rare Birds – Exotenvogel

Jonathan Wilson hatte letztes Jahr einiges auf seiner To-Do-Liste stehen. Da wäre zum Beispiel – neben einigen andern Platten – die Produktion von Father John Mistys „Pure Comedy“, das prompt für den Grammy nominiert wurde.

Und dann war da noch Roger Waters. Als Gitarrist und Sänger begleitete der Kalifornier die gesamte Nordamerika-Tour des legendären Pink-Floyd-Gründungsmitglieds.

Da fragt man sich, wann Singer/Songwriter/Produzent/Multiinstrumentalist Wilson eigentlich noch Zeit hatte „Rare Birds“ aufzunehmen und dann gleich mit so einem Hammer um die Ecke zu kommen.

Keiner der dreizehn Songs unterschreitet die 4:30-Marke. „Rare Birds“ ist nicht unbedingt eine Liebe auf den ersten Ton. Es dauert, bis sich die verschachtelten Tracks zu einem Ganzen zusammenfügen. Aber wer sich die Zeit nimmt, wird mit einem regelrechten Kunstwerk belohnt.

Der Opener „Trafalgar Square“ ist wie eine psychedelische Bootsfahrt in Richtung Pink Floyd, der es nach einer guten Minute mit einem verzerrten Gitarrenriff die Segel verweht, um kurze Zeit später wieder ruhig sphärisch vor sich hin zu schippern.

„Over The Midnight“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, hebt aber mit treibendem Schlagzeug den Hut eher Richtung Tame Impala. Bei „Hi Ho To Righteous“ findet man sich dank bluesiger Gitarre plötzlich in der amerikanischen Wüste wieder, lässt sich Whiskey servieren und nickt dem Cowboy von nebenan freundlich aber bestimmt zu.

Bei diesen beschwingten Nummern kann man die Schwere, die „Rare Birds“ eigentlich zu Grunde liegt, kurz vergessen. Denn auch, wenn Jonathan Wilson betont, dass die Platte kein Trennungs-Konzeptalbum sei, beschäftigt sich der Großteil der Songs mit eben dieser Thematik.

„Sunset Blvd“ erinnert an einen Springsteen am Klavier und „49 Hairflips“ lässt in Sachen Streichern nichts anbrennen, sondern setzt aufs Ganze. Aber mit einem seltsam verzerrten, kurzen Solo-Einsprengsel nimmt Wilson dem Kitsch die Luft zum Atmen.

In „Mulholland Queen“ setzt er stattdessen größtenteils auf Minimalismus, sitzt allein am Klavier und bringt sein Kunstwerk mit einem Stück Kammermusik zu Ende.

„Rare Birds“ macht seinem Namen wirklich alle Ehre. Wilsons drittes Solowerk ist wirklich ein seltener Vogel. Irgendwie seltsam, aber trotzdem – oder gerade deswegen – außergewöhnlich sehens- bzw. hörenswert.

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