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Plain White T’s – Parallel Universe

Wenn man an die Plain White T’s denkt, denkt man nicht an musikalische Meisterleistungen, großartige Veränderungen im Sound oder an erleuchtende Momente. Man denkt an seichte Pop-Hymnen über Liebe, die irgendwo zwischen Herzschmerz und Happy End jedenfalls sympathisch genug klingen, dass sie unbedenklich im Radio gespielt werden können.

„Parallel Universe“ wirkt da tatsächlich wie eine alternative Realität, in der für die Pop-Band aus den Vereinigten Staaten von Amerika so einiges falsch läuft.

Erst einmal wäre da der Sound. Vom der Melancholie früherer Alben wie „Every Second Counts“ oder „Big Bad World“ bleibt wenig übrig. Stattdessen erdrückt erzwungener Bombast die Stimmung.

Bass-Drops an unangebrachten Stellen, verzerrte Stimmen, wie man sie aus modernem House kennt, wirken schon in „Light Up The Room“ wie Verirrungen. Als hätten die Plain White T’s sich etwas bei Fall Out Boy abschauen wollen, was sowieso schon jeder Band abzuraten ist, integriert die Band musikalische Gimmicks und Trends in ihren Sound, die ob der Kurzlebigkeit der aktuellen Popmusik schon wieder veraltet klingen.

Schön und gut, am Sound von „Parallel Universe“ könnte man sich abarbeiten, ähnliche Veränderungen auch in Tracks wie „I Should Be Dead“ und „No Tears“ anmerken, die der Unhörbarkeit nur knapp entkommen und bezeichnend an Tokio Hotel erinnern.

Tokio Hotel? Fall Out Boy? Es kann nicht schlimmer kommen?

Doch. Denn an die Stelle der teilweise sympathischen Geschichten vom Verliebtsein, vom Geständnis über die Ablehnung zu intimer Nähe und noch intimerer Entfernung, tritt ein unzeitgemäßes sexuelles Anspruchsdenken, das selbst wiederholte radio plays nicht unbedenklich macht. „Bonnie I Want You“ und „Call Me“ präsentieren ein Frauenbild, das das weibliche Geschlecht in eine Abhängigkeit, gar in ein Schuldverhältnis zum männlichen stellt.

Man fragt sich, ob die Plain White T’s damit erwachsen wirken wollen, sich von einem good guy Image verabschieden wollen, oder schlichtweg unsensibel und nuancenfrei an die Konzeption eines unangenehm kontroversen Albums herangegangen sind.

Die Antwort? Gibt es wohl nicht, ebenso wenig wie Gründe dafür, „Parallel Universe“ in irgendeine Playlist aufzunehmen.

Manche Alben sind nicht spannend, musikalisch nicht unbedingt revolutionär und frei von erleuchtenden Momenten, manche Alben sind schlichtweg unangenehm und bleiben hoffentlich irrelevant. „Parallel Universe“ ist leider eines von letzteren.

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