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Tia Gostelow (Credit AntiFragile Music)

Tia Gostelow – Thick Skin

Australiens weite Ebenen laden immer wieder romantische Singer-Songwriter dazu ein, sich der Vertonung einer einzelnen Existenz im Angesicht dieser romantisch menschenleeren Weite anzunehmen.

Tia Gostelow kommt aus Australien und macht mir ihrem ersten Album „Thick Skin“ genau oder jedenfalls ungefähr das. Der Horizont als Inspiration für ein Indie- und Dream-Pop-Album; die Musik als Gegenbewegung zum superlativen Retro-Power-Pop, der wahrscheinlich auch am anderen Ende der Welt aus den Lautsprechern tönt.

Ist „Thick Skin“ also kitschiger und verträumter Pop-Rock mit Gitarre und ohne Ideen? Im Gegenteil. Tia Gostelow versteht schon auf ihrem ersten Album, Abwechslung mit Beständigkeit zu vereinen.

Allein zu Beginn des Albums folgt auf das hymnische „Giants“, das wirklich Assoziationen an lange Reisen auf noch längeren Straßen auslöst, das basslastige und pubtaugliche „Phone Me“.

Gostelow klingt extrem erwachsen und ist gleichzeitig so bereit, in naiv jugendlicher Fantasie aufzugehen, dass Lieder wie „State Of Art“ und „Vague Utopia“ authentisch und nicht gekünstelt wirken, nicht so rüberkommen, als hätten sie 20 Verantwortlichen vorher abnicken müssen.

„Thick Skin“ lässt die Grenze zwischen Solo- und Bandmusik verschwimmen. Hinter dichten und atmosphärischen Passagen vermutet man eine Gruppe, die aufeinander abgestimmt ist, aus der Symbiose vorübergehende und interaktive Sounds entstehen lässt.

Wenn Bands den Vorteil der gegenseitigen Inspiration und der Improvisation haben, dann hat Tia Gostelow den der kompromisslosen Dynamik. Funktioniert das auf einem ersten Album?

Debütalben haben allein aufgrund ihrer Struktur ein Problem, wirklich zu funktionieren. Besonders Solo-Künstler entscheiden sich dann ohne Korrektiv für ein Ensemble an Songs, das zwar repräsentativ, aber kaum zusammenhängend ist, zwar einen Eindruck über den Künstler vermittelt, aber kaum dafür gemacht wurde, am Stück gehört zu werden.

„Thick Skin“ ist anders. Denn, obwohl mit „Strangers“ und „State Of Art“ auch Songs den Cut geschafft haben, die schon seit Jahren in der australischen Indie-Szene herumgeistern, wirkt das Gesamtkonstrukt überraschend kohärent.

Gostelow passt in britische Indie-Schuppen genau so sehr wie unter den australischen Himmel. Mehr geht nicht, oder?

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