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Tom Odell – Live im Mehr! Theater, Hamburg

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Rotweinmusik und Klavier. Das Mehr! Theater ist an diesem Donnerstagabend bis auf ein paar freie Plätze im Sitzblock gut gefüllt. Tom Odell, der vor Kurzem sein drittes Album „Jubilee Road“ veröffentlichte, zieht also noch, auch fünf Jahre nach seinem Erfolgsdebüt „Long Way Down“.

Wer früher kommt als andere, hat Gelegenheit dazu, Max Jury und Cosma Joy performen zu sehen. Wer es nicht tut, verpasst allerdings nichts Weltbewegendes. In einer derart großen Halle, die sogar für Popstars wie Tom Odell anspruchsvoll zu bespielen ist, geht vieles verloren, was im diesigen Club nebenan Teil einer interaktiven und innigen Show gewesen wäre.

Nach den beiden Supports darf man dann aber auf Tom Odell warten, der – als er die Bühne betritt – erst einmal am Piano Platz nimmt, um den Titeltrack seines aktuellen Albums darzubieten.

„Der hat ja ’ne richtig gute Stimme!“ murmeln einige Leute, für die das Konzert vielleicht „Another Love“- und „Magnetised“-gesteuerter Impulskauf war, und die die musikalischen Kapazitäten des jungen Briten unterschätzten.

Der füllt mit seiner Stimme, die häufig mit Jeff Buckley verglichen wird (der Vergleich hinkt zwar etwas, Buckleys Organ brauchte deutlich weniger Druck, um zur gewünschten Intensität zu gelangen, einmal da angelangt, bricht Odells Stimme dafür nur in solchen Ausnahmen mal ab, in denen er über sich selbst, das Publikum oder das Leben lachen muss), tatsächlich die ganze Halle und geht in rhythmischem Nicken ganz im Klavierspiel auf.

Schon der zweite Song „I Know“ führt dann die ganze Band ein, die in ihrer Symbiose mit dem Singer-/Songwriter beinahe improvisatorisch, auf jeden Fall aber gut aufeinander eingespielt, daherkommt. Mit Dauergrinsen bahnt sich der schmächtige Sänger den Weg von der einen Seite der Bühne zur anderen, während „I Know“ ausführlich und intensiv interpretiert und erweitert wird.

Später geht es sogar vom bequemen Platz vor dem Piano auf das schwarze Instrument hinauf. Wer Hocker wirft, tanzt auch auf Klavieren. So jedenfalls Odell, der sich immer wieder in schüchternen Tanzversuchen selbst auf die Schippe nimmt und mit ähnlicher Attitüde auch „Don’t Belong In Hollywood“ einleitet.

Eine Geschichte davon, wie er sich selbst in einem Spiegel an einer Hotelbar in Los Angeles betrachtete und dabei bemerkte, wie sehr ihn selbst sein Status als Popstar manchmal anekele. Was manchen als unnötiges Hinterfragen des eigenen Erfolgs erscheinen mag, wirkt aus dem Mund des zurückhaltenden Odell wie eine kleine Portion gesunden Selbsthasses, konstruktiver Kritik am eigenen Erfolg und unbeeinflusste Freude am Selbst.

Besonders intensiv wird es stimmlich beim klagenden „Can’t Pretend“, das als vielleicht bestes Stück seines Debüts immer noch weniger Fans hat, als es verdient. Zwischendurch wird in ähnlich konspirativer Manier noch „Imagine“ von John Lennon angestimmt, eine Hymne, die mit seiner kurzen Äußerung zum Brexit und dem Publikum d’accord geht.

Zum Ende des regulären Auftrittes kommt dann schon das, worauf die meisten gewartet haben. Das Lied, das vor einigen Jahren jeden Fernsehwerbeblock begleitete und wohl mehr Leute zu Tom Odell lockte als zum Mobilfunkanbieter, der ein glückliches Händchen in der Songauswahl bewies.

Nach Ende wird geklatscht, viel geklatscht. Die obligatorische Zugabe entwickelt sich zu einem ganzen Mini-Set, das mit vier Songs und reichlich Dynamik nochmal das Beste des Abends in einer Viertelstunde kondensiert.

Leute fordern „Magnetised“ und bekommen erstmal anderes, wie zum Beispiel „Half As Good As You“, das allein vorgetragen zwar etwas an Dialogcharakter einbüßen muss, irgendwie aber auch ganz im Sinne eines Tom Odells steht, der sich selbst im Spiegel betrachtet und aus der eigenen Person tritt. Natürlich kommt „Magnetised“ dann doch noch. Ist vermutlich auch ein geeigneterer Abschlussong als „Another Love“.

Tom Odell spielt an diesem Abend mit seiner Band Verstecken, liefert sich Pfeifbattles mit dem Publikum, erklimmt mehrere Male das Piano und trinkt nebenbei einen Tee. Tom Odell versucht’s nicht und schafft’s trotzdem. Er nimmt’s nicht zu ernst und bleibt trotzdem authentisch. Nachahmer*innen? Müssen einfach nur sie selbst sein.

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