Weyes Blood – Titanic Rising

Das hat sich angekündigt. Weyes Blood legt den Geheimtipp-Status ab und wird zum Kritikerliebling. Ihr viertes Album „Titanic Rising“ ist bis dato ihr facettenreichstes, anspruchsvollstes Werk.

Dabei ist das augenscheinlich Auffälligste an der frisch 30 gewordenen US-amerikanischen Singer/Songwriterin ihr Aus-der-Zeit-gefallen-sein.

Ihr Folk oder Soft Rock oder Art Pop hat keinen Deut zeitgemäße Coolness, ist ums Verrecken nicht hip und schon gar nicht urban.

„Titanic Rising“ ist undefinierbar unaufdringlich – okay, logisch, bei dieser feinfühligen Musik. Aber ihr viertes Album kennt darüber hinaus eine Kraft, eine Stärke, die aus der Tiefe kommt, ersichtlich erst bei eingehendere Beschäftigung.

Dass sie im Songwriting noch vielfältiger geworden ist, macht „Titanic Rising“ nicht zu ihrem besten Album.

Die im Hintergrund leise flatternden Western-Gitarren bei „Andromeda“, das holprige Klavier-Stakkato auf „Everyday“, die herrliche Evolution innerhalb von „Movies“ mit seiner fulminanten Wendung: reichlich Instrumentengebrauch und verschiedene Facetten des Folk und Art Pops auszuloten macht noch kein kleines Meisterwerk.

Es ist Natalie Merings souveräne Art, ihre unaufdringlich eindrücklichen Lyrics, ja schlicht ihre musikalische Eleganz, die „Titanic Rising“ zu einem gut versteckten Klassealbum macht.

Großen Anteil daran haben ihre Erzählungen. In bester Singer/Songwriter-Manier hört man Weyes Blood sehr gerne zu, hat man sich erst mal auf sie eingelassen.

So offenbart sich ein stimmiges Gesamtpaket auf „Titanic Rising“. Einem Album, das anfänglich den Ball flach hält, emotional wie handwerklich. Doch nach und nach erschließen sich die wohlüberlegten Kompositionen in ihrer Komplexität und machen staunend. Ein echter Grower.

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