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Die Arbeit (Credit Tine Jurtz)

Die Arbeit – Material

„Gott Generator“. Schon im Titel des ersten Tracks viel Undefiniertes. Sehr klar definiert der Klang. Der Bass zupft energisch die dominante Grundlage. Minimalistische Drums stampfen und ticken dazu. So beginnt das Debütalbum „Material“ der vier Jungs Die Arbeit aus Dresden.

Das Gerüst steht. Soweit eine der vielen jungen Post-Punk Bands der letzten Jahre. Aber nur soweit. Die Gitarre zieht sphärisch in die Länge gezerrt darüber. Klingt nach weitblickender Sehnsucht.

Und zuletzt der Gesang. Fast Sprechgesang. Monoton mit emotionaler Farbe. „In jeder Uniform, lebt ein Mann aus Plastik; Die Werte der Reform; Vergrößern Deine Spastik“. Es wird deutlich stürmischer. Nimmt einen sofort beim ersten Anlauf mit.

„Haut, Knochen und Gesichter“ legt gleich noch eine Schippe mitreißende Energie dazu. Melodiefrei rhythmische Passagen schrammen sich geradlinig minimal in die Beine.

„Leichen“ zieht die Handbremse an, ohne den Energielevel zu reduzieren. Der Track besticht mit mühsam zurück gehaltenem Low-Tempo Sound. „Schafft die Toten raus; Schafft Eure Leichen raus; es bleibt die Konstruktion; aus demselben Holz geschnitzt; auf der wir friedlich wohnen“. Der verschwurbelte Refrain in unverkennbarer Tonlage bleibt im Ohr und klingt nach.

Handwerklich auf den Punkt spielen die vier mit Geschwindigkeit und Tiefe. Musikalisch wie inhaltlich. Immer wieder ergreift einen das unterschwellige Gefühl, den Inhalt zu begreifen. Sofort gefolgt von latent faszinierender Unklarheit.

Produktion und Aufnahme brauchen sich nicht zu verstecken. Alles in allem ist das professioneller als ein Erstlingswerk. In der Tat sind die vier schon eine Weile unterwegs. Unter dem Namen Leo Hört Rauschen haben sie bereits 2015, etwas schlechter rasiert, ihr eigentliches Debüt herausgebracht.

„Keine Zeit Für Ironie“ lässt einen leicht verklärt durch die Verwirrungen des Lebens stolpern. „Sicherheit“ holt maximal monoton vorwärtsgerichtet ab.

„Regen endet nicht am Himmel; er geht weiter; immer weiter; wie ein Vorhang aus Metall; ich war da; hab ihn gesehen“ ohne Luftholen. Der Teppich entfaltet sich. Aus grauer Monotonie werden farbige Klänge.

„Der Mäher holt die Ernte ein“.  „Gewalt“ baut sich zu einem dichten noisigen Sound-Turm auf. „Wir sind die Ernte, ein dunkler Schacht, meine Gewalt, deine Hand, wir sind das Werkzeug, in der Nacht“. Beklemmend dystopische Schwärze geht nicht mehr aus dem Kopf.

Sehr viel harmonischer beginnt der Schlusstrack „Lonely Dance“. „Trag das Leder bis es reißt“. Desillusioniert lakonischer kann ein Refrain nicht immer wieder wiederholt werden.

Denkt man. „Nie wieder Leistung. Nie wieder Leistung. Nie wieder Leistung….“ zerstört die letzten Illusionen auf eine heile Welt beim langsamen Abklingen.

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