Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages
Rustin Man (Credit Lawrence Watson)

Rustin Man – Clockdust

Rustin Man’s „Clockdust“ ist ein Jahr nach dem viel zu frühen Tod von Talk-Talk-Genie Mark Hollis ein anspruchsvoll schöner Trost in jazzigen Slow-Core-Stafetten.

Denn Talk Talk waren die Größten, wenn es darum ging, mit Akkorden Räume aufzustoßen, in die die Popwelt zuvor nicht hineinschauen konnte. Erst gaben sie dem 80er Syth-Pop die Würde und dann den zu Experimenten verwobenen Meisterwerken „The Spirit Of Eden“ und „Laughing Stock“ den Anstoß zu sich später etablierenden Genrebezeichnungen wie Art-Pop und Postrock.

Paul Webb alias Rustin Man war als Bassist der Band neben Schlagzeuger Lee Harris und Mark Hollis eine Seite eines gleichseitigen Dreiecks, das im Grunde nur zusammen existieren konnte. Eine ausbalancierte Sache, mit eindeutigem Schwerpunkt.

Unwahrscheinlich schienen daher handfeste Soloprojekte der Mitglieder. Webb hat die Herausforderung 2002 dennoch angenommen und auf „Out Of Season“ zusammen mit Portishead-Sängerin Beth Gibbons die perfekte Schnittmenge aus diesen beiden Überbands in akustische Entschleunigung gegossen.

Vergangenes Jahr folgte mit “Drift Code“ dann eine sprödere, fast trocken wideborstige Platte, die man als sein erstes waschechtes Soloalbum bezeichnen konnte – das mit Gibbons Abwesenheit aber auch die Wärme und Zutraulichkeit vermissen ließ.

Mit „Clockdust“ kommt er jetzt den Spätwerken von Talk Talk am nächsten, ohne eine reine Zitatesammlung zu sein.

Stücke wie „Jackie’s Room“ oder Night In The Evening“ mit ihren auf Toms fokussierten, versetzten Schlagzeug-Grooves, den gespenstischen Synthesizer-Akkorden und sparsam pointierten Gitarrenlinien sind die wunderbare Erinnerung daran, wie es sich anfühlte, als das erste Mal „Spirit Of Eden“ auf dem Plattenteller drehte, und man aus dem Staunen kaum heraus kam.

Die Songs sind ungleich luftiger und auf klassischere Weise jazzig. Sie sind quasi die wohlüberlegte Teilsequenz aus Webbs musikalisch gewichtigter Vergangenheit – und bestimmen vielleicht den genau richtigen Release, um sich in der durch ein Virus auferlegten Isolation wieder zur erinnern und der wichtigen Dinge im Leben zu besinnen.

Schreibe einen Kommentar