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Und auf einmal hörte uns die halbe Welt zu – Yael Naim im Interview

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Alles begann mit der Neuverfassung alter Joni Mitchell-Songs. Im zarten Alter von 18 Jahren machte Yael Naim ihre ersten ernstzunehmenden musikalischen Schritte, in dem sie die Lieder ihrer Songwriter-Heldin mit eigenen Texten neu interpretiert. Knapp vier Jahre später unterschrieb die französisch-israelische Sängerin ihren ersten Plattenvertrag.

Mittlerweile stehen vier Studioalben zu Buche, die zwischen Folk, Pop, Jazz und Soul pendelnd, allesamt von Freunden der gehobenen Chamber-Pop-Kunst geadelt werden. Dieser Tage folgt unter dem Titel „Nightsongs“ nun der fünfte Streich. Und abermals schmilzt die Anhängerschaft dahin. Wir trafen Yael Naim zum Interview und sprachen über die Kunst des Überzeugens, die Magie der Nacht und Wunder der Vergangenheit.

MusikBlog: Yael, dein letztes Album „Older“ steht bereits seit fünf Jahren in den Regalen. Nun meldest du dich mit „Nightsongs“ endlich zurück. Warum hat der Prozess diesmal so lange gedauert?

Yael Naim: Wie du schon richtig sagst, es war ein Prozess. Und zwar ein steiniger und ein ziemlich langer Prozess. Grundsätzlich lag die Basis dieses Album schon vor drei Jahren auf dem Tisch. Aber es war nicht ganz so einfach, alle mitverantwortlichen Leute in meinem Umfeld sofort für meine Ideen zu begeistern.

MusikBlog: Woran genau lag das?

Yael Naim: Nun, wie der Titel schon verrät, wurden alle Songs nachts geschrieben. Und nachts, also abseits des Alltags, des Trubels und der gängigen Rituale entwickeln sich andere Gefühle, Gedanken und Herangehensweisen. Dieser neue Arbeitsprozess hat sich natürlich auch auf die Musik ausgewirkt. Die neuen Songs gehen tiefer. Sie sind intensiver und sind umrahmt von einer sehr emotionalen Atmosphäre. Was für mich unheimlich inspirierend war, machte anderen Menschen etwas Angst.

MusikBlog: Warum?

Yael Naim: Das Musikbusiness ist ein sehr unbeständiger und unberechenbarer Markt. Da geht man manchmal lieber auf Nummer sicher. Als Künstler tickt man aber anders. Inspiration und das Umsetzen dieser Einflüsse ist für mich als Musikerin nicht planbar. Glücklicherweise konnte ich am Ende aber doch noch alle von meinem Weg überzeugen. Es hat halt nur ein bisschen länger gedauert. (lacht)

MusikBlog: Nach drei Alben in Kooperation mit deinem Ehegatten und musikalischen Begleiter David Donatien, präsentierst du dich auf „Nightsongs“ komplett allein. Gehörte auch David zu den Leuten, die etwas mehr Zeit brauchten, um mit der „Neuausrichtung“ warm zu werden?

Yael Naim: Nein, David wurde aus anderen Gründen ausgeschlossen. (lacht) Ich wollte schon immer mal ein Album im Alleingang aufnehmen und produzieren. Dieses Verlangen steckt schon seit den Anfängen in mir. Mit David zusammen verfolgte ich aber erstmal einen anderen Ansatz. Das hat von Beginn an so gut mit uns beiden funktioniert, dass eine Veränderung nie wirklich zur Debatte stand.

Jetzt war es aber vom Gefühl her einfach an der Zeit. Es fühlte sich einfach richtig und gut an. David stand mir ja trotzdem irgendwie unterstützend zur Seite. Er war damals schließlich der Erste, der sofort mit beiden Daumen nach oben zeigte, als er von musikalischen Ideen und Gedanken erfuhr. Und ich habe seinen Ratschlägen in puncto Produktion natürlich Tür und Tor geöffnet. Diesbezüglich macht ihm einfach keiner was vor. Dieses angelernte Know How hat mir jetzt natürlich super geholfen.

MusikBlog: Irgendwo stand geschrieben, du wolltest dieses Album unbedingt noch vor deinem 40. Geburtstag fertigstellen. Stimmt das?

Yael Naim: (lacht) Ja, wobei das natürlich auch ein bisschen scherzhaft gemeint war. Mir ging es nach den Alben, die ich zusammen mit David produziert habe einfach darum, in Erfahrung zu bringen, für was genau der Name Yael Naim steht. Ich wollte wissen, wer ich bin. Ich wollte mein Innerstes zu Tage fördern.

MusikBlog: Während des Produktionsprozesses hast du intensive private Erfahrungen durchlebt. Neben dem Verlust deines Vaters hast du deine zweite Tochter zur Welt gebracht. Hat diese emotionale Achterbahnfahrt auch musikalische Spuren hinterlassen?

Yael Naim: Auf jeden Fall. Beide Ereignisse sind auf eine ganz bestimmte Art und Weise in der Platte verwurzelt. Mein Vater war immer eine ganz wichtige Bezugsperson für mich. Als er starb, entstand eine große Leere in mir. Da waren dann auf einmal ganz viele dunkle und einsame Gefühle präsent. Dann kam meine zweite Tochter zur Welt. Plötzlich passierte auf der anderen Seite genau das Gegenteil. Da platzte wieder ganz viel Freude, Energie und Kraft in mein Leben. Diese aufwühlende Präsenz von Leben und Tod und Freud und Leid war natürlich eine ganz wichtige Komponente während des Songwritings.

MusikBlog: Viele Menschen, die deinen Werdegang nicht ganz so intensiv verfolgt haben, verbinden deinen Namen vor allem mit dem Song „New Soul“. Wir ordnest du den Erfolg deines Durchbruch-Hits rückblickend ein?

Yael Naim: Ich muss dieser Tage oft an die Zeit zurück denken. Das war schon alles ziemlich bizarr damals. David und ich, wir hatten ja eigentlich schon mit dem Thema „kommerzieller Erfolg“ abgeschlossen. Wir hatten einfach keine Lust, irgendwelche künstlerischen Kompromisse einzugehen, nur damit sich unsere Musik besser verkauft. Ich kann mich noch erinnern, wie uns Freunde immer und immer wieder auf unseren nicht enden wollenden Produktionsprozess für das erste Album ansprachen. Niemand glaubte so richtig an uns. Und dann plötzlich, über Nacht, schlug dieser Song ein wie eine Bombe.

MusikBlog: Und plötzlich waren alle hellwach.

Yael Naim: Ja, und plötzlich waren alle hellwach und machten große Augen, wir inklusive. (lacht) Das war ein ganz seltsames, aber auch großartiges Gefühl. Von da an war uns beiden klar: Alles ist möglich. Ich meine, wir hatten kein Label, kein Management, kein Geld. Wir hatten nichts, außer unsere Musik. Und auf einmal hörte uns die halbe Welt zu. Das war schon faszinierend.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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