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Marilyn Manson (Credit Perou)

Marilyn Manson – We Are Chaos

Der selbsternannte Antichrist und Mütterschreck meldet sich zurück: Marilyn Manson präsentiert mit „We Are Chaos“ eine Platte, die im Vergleich zu vielen seiner früheren Alben fast schon zahm daher kommt – und gerade deshalb vielleicht auch solche Hörer*innen überzeugen kann, denen seine vormaligen Provokationen immer ein bisschen plump vorkamen.

Okay, zugegeben: „Zahm“ ist das falsche Wort, wenn man über Manson spricht. Opener „Red Black And Blue“ ist ziemlich edgy und das nicht nur ob seines gruseligen, gesprochenen Intros und der pumpenden Beats.

Manson phantasiert auch vom Autokannibalismus der Weltbevölkerung und fragt sich, ob er denn nun Gott oder Müll sei. Also zumindest hier alles beim Alten.

Was neu ist, ist die Tatsache, dass Manson sich traut, auf „We Are Chaos“ den Schockfaktor öfter mal hinten anzustellen und sich gefühlt nicht nur darauf konzentriert, möglichst viele bibeltreue Christen in Ohnmacht zu versetzen, sondern das Augenmerk auf Qualität und eine ungewohnte Nuanciertheit legt, was sich an mehr als einer Stelle bezahlt macht.

Die Ballade „Paint You With My Love“ ist nur eines der Beispiele hierfür. Zwar kriegt es Manson immer noch nicht hin, von Liebe zu sprechen, ohne dass er irgendwie Mord und Totschlag mit reinbringen muss, aber sei’s drum.

Viel beachtlicher ist neben Mansons rauer Stimme, die auf diesem Track richtig gut zur Geltung kommt, die Tatsache, dass er dafür tief in die Country-Schublade greift – was vermutlich auf den kollaborativen Charakter des Albums mit Musiker Shooter Jennings zurückzuführen ist, der in diesem Genre zuhause ist und die LP mitproduziert hat.

Auch sonst wird „We Are Chaos“ seinem Titel musikalisch gerecht: Metal mischt sich mit Post-Punk, Glam-Rock gesellt sich zu Industrial. Manson hat es auf seinem mittlerweile 11. Studio-Album definitiv drauf, sich verschiedener, erst mal chaotisch wirkender Einflüsse zu bedienen und sie seinem eigenen Sound und seiner Persona anzupassen.

Das bedeutet auch, dass er natürlich immer noch nicht hundertprozentig ohne das Plakative auskommt: Auf „Perfume“ spricht er mit Satan, auf „Keep My Head Together“ kann er ein „I fuckin‘ love you“ nicht stehenlassen, ohne dass er ein prompt ein „I love fuckin‘ you“ hinterher schieben muss.

Aber es wäre ja auch nicht Manson, wenn er dann nicht doch einmal zu oft provozieren wollte. Insgesamt lässt sich aber sagen, dass „We Are Chaos“ trotz einiger schwächerer Aspekte ein überraschend vielseitiges und gut durchdachtes Werk ist.

Und ein Album, das auch Kritiker von Marilyn Manson davon überzeugen dürfte, dass man ihn zwar nicht mögen muss, dass aber zumindest seine inzwischen über zweieinhalb Jahrzehnte andauernde Musikkarriere durchaus ihre Berechtigung hat.

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