Konzerte und Festivals wegen Corona nicht vor Herbst 2021

“Konzerte und Festivals wegen Corona nicht vor Herbst 2021”. Das war die Überschrift eines MusikBlog-Artikel vor genau einem Jahr. Heute ruft man mit dieser Überschrift nur ein müdes (bzw. entnervtes) Lächeln bei den Lesern hervor. Vor einem Jahr gab es jedoch einen Riesen-Aufschrei. Wir mussten uns selbst von Branchen-Kolleg*innen Panikmache und das Schüren von Hysterie vorwerfen lassen.

 

“Echt jetzt, MusikBlog? Ist euch das nicht selbst unangenehm? […] Stark. Den dummen Postingtext mit nem noch dümmeren Kommentar getoppt. Echt mal, das habt ihr doch nicht nötig.” (Mathias Frank, gaesteliste.de)

“Ihr seid schlau genug, dass der Aufschrei viel mehr Eurer reißerischen „yellow press headline“ gilt…” (Christian Meyr, STP Hamburg Konzerte)

“Mit einem Fragezeichen wäre die Überschrift noch akzeptabel” (Christoph Lindemann, PULS – BR)

“Clickbait und Panikmache – verallgemeinert doch wenigstens die Headline” (Christoph Wendland, DEAG Deutsche Entertainment AG)

Nun, ein Jahr später sind wir alle schlauer. Es ist nicht nur ziemlich genau so eingetreten, von ein paar Ausnahme-Konzerten im Herbst letzten Jahres abgesehen, sondern mittlerweile wurden die meisten Touren sogar auf 2022 verschoben. Auch Festivals wie das Hurricane oder Southside sowie Rock am Ring und Rock im Park finden in diesem Jahr wieder nicht statt.

Viele Künstler machen mittlerweile Streamingkonzerte wie kürzlich Julien Baker, aber die sind natürlich keine Alternative. Dass man jedoch Liveveranstaltungen auch pandemie-gerecht gestalten kann, hat das Reeperbahn Festival im letzten Jahr bewiesen.

Auch wir hätten uns von der Politik in dieser Hinsicht mehr Augenmaß gewünscht. Natürlich erfordert es mehr Aufwand und wirtschaftliche Abstriche für die Veranstalter und auch für die Zuschauer*innen ist es ein eingeschränktes Erlebnis. Aber immerhin wären so viele Konzerte trotzdem möglich gewesen.

Warum Demos mit vielen tausend Teilnehmern oder Flugreisen erlaubt sind, jedoch keine Veranstaltungen, ist für die meisten kaum nachvollziehbar.

So kann man nur hoffen, dass die Veranstaltungsbranche auch wirklich nächstes Jahr wieder einigermaßen den Normalbetrieb aufnehmen kann. Voraussetzung dafür ist natürlich nicht nur eine entsprechend hohe Impfdichte, sondern auch das Umsetzen entsprechender Hygiene-Konzepte – Corona wird auch 2022 nicht verschwunden sein.

Wir hoffen ebenfalls, dass gerade die kleineren Venues bis dahin durchhalten. Mit der Aktion „Ohne uns ist’s still“ hat die Veranstaltungsbranche auf ihre schwierige und oft existenzbedrohende Situation aufmerksam gemacht. Auch wir haben einige mit Spenden und “Geistershow”-Tickets unterstützt, aber das sind nur Tropfen auf den heißen Stein.

“Ohne Kunst würde die Grausamkeit der Realität die Welt unerträglich machen.” sagte einst der irischer Schriftsteller George Bernard Shaw. Dazu gehört natürlich insbesondere auch die Livemusik.

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