Teenage Fanclub – Endless Arcade

Teenage Fanclub, das ist das Sommer-Gefühl in homöopathischen Pommes-Tüten. Das war zwar schon immer so, zu Beginn Ihrer Karriere hatten die aber mal mehr Pfeffer.

Exakt 30 Jahre liegt der Karrierehöhepunkt der Schotten in Form von „Bandwagonesque“ inzwischen zurück. Für manche Schlabberpullis ist das gar der heilige Gral des Indie-Pop. Death Cab For Cuties Ben Gibbard wird auch heute nicht müde zu betonen, was ihm dieses Album bedeutet und welch wichtigen Gradmesser es für seine eigenen Karriere darstellt.

„I didn’t want to hurt you, Oh yeah”! Von einem so schludrigen wie niedlichen Chorus aus dem Opener „The Concept“ sind Teenage Fanclub heute so weit entfernt wie Deutschland und seine Pommes von einer wirklich sinnvollen Lebensmittelskala.

Der Lof-Fi-Charakter ist ihnen über die Jahre immer weiter abhanden gekommen. Und wenn Norman Blake heute anfängt zu singen, ist die Musik beinahe dynamisch differenziert.

Um jedoch nicht Gefahr zu laufen, am Ende noch zu den Audiophilen des Indie zu zählen, gniedelt sich Raymond McGinley im Auftakt „Home“ fast sieben Minuten lang durch die Locken von J Mascis. Wirklich originell ist daran nichts und selbst die Hook stammt von The Cardigans aus „I Live And I Learn“.

Und auch die Tragik und Melancholie sind für Teenage Fanclub nur eine andere Winkelstellung zur Sonne. Wenn Frontmann Blake im gleichnamigen Song singt „Everything Is Falling Apart“ kann das kaum so schlimm sein. Es klingt nach dem spielerischen Kollaps des Kartenhauses, nicht nach einem krachenden Einsturz echter Lebenssäulen.

Dabei hat sich bandintern zumindest die Position des Bassisten verändert. Gründungsmitglied Gerald Love verließ vor drei Jahren die Band, um nicht länger gegen seine Flugangst ankämpfen zu müssen. Der vormalige Keyboarder Dave Mc Gowan nahm die vakante Position ein, ohne hörbaren Einfluss auf den Sound zu haben.

Was in „Everything Is Falling Apart” noch paradox oder ironisch klingt, gefällt sich in „Come With Me“ in einer etwas ermüdenden Altersmilde und strebt beinahe nach einem Epigonentum von Neil Young. Und sogar das geht irgendwie in Ordnung.

Am Ende steht ein 11. Album, an dem sich der Alltag nicht weiter stört und das so schnörkellos bleibt wie Pommestüten.

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