Diese Zeit hat mich eher beflügelt – Villagers im Interview

Für sein fünftes Villagers-Album “Fever Dreams” holte sich Projektgründer Conor ‘O Brien Inspiration beim nächtlichen Schwimmen und bei Künstlern wie Audre Lorde, David Lynch und L. S. Lowry. Wir trafen den Villagers-Chef zum Interview und plauderten über die Zusammenarbeit mit seiner Band, musikalische Disziplin und nächtliches Schwimmen als Inspiration.

MusikBlog: Hi Conor, man sagt ja oft, dass es für den Auftakt eines Albumproduktionsprozesses einen bestimmten Moment braucht, ein Augenblick der Inspiration, wenn man das so nennen will. Gab es diesen Moment im Vorfeld der Produktion von “Fever Dreams”?

Conor ‘O Brien: Um ehrlich zu sein, den gab es nicht. Den gibt es bei mir irgendwie nie. Es ist immer eher so, dass sich viele Momente anhäufen. Das ist meist ein Mix aus Positivem und Negativem. Das alles führt dann zu einem Prozess, der dann irgendwann in den Beginn eines neuen Songwritingprozesses mündet.

MusikBlog: Diesmal wurde der Prozess von einer sehr langen pandemiebedingten Lockdownphase begleitet. Was hat diese Zeit mit dem Musiker Conor O’ Brien gemacht?

Conor ‘O Brien: Diese Zeit hat mich, auf die Kreativität bezogen, eher beflügelt. Natürlich habe ich auch gelitten, ganz klar. All die sozialen Einschränkungen waren und sind furchtbar. Aber was die Musik betrifft, so konnte ich mich völlig auf das Wesentliche konzentrieren, ohne Druck und ohne große Erwartungen.

MusikBlog: War zu der Zeit schon neues Material vorhanden?

Conor ‘O Brien: Ja, in der Tat. Wir hatten nahezu die kompletten Band-Aufnahmen bereits abgeschlossen. Das war natürlich super. Denn kurz darauf kam der erste Lockdown, und wir haben uns dann eine lange Zeit nicht mehr richtig treffen und sehen können. Das passte also ganz gut. Ich hatte dann wirklich viel Zeit für mich, was gut war, denn da warteten unheimlich viele neue Audio-Files auf mich. (lacht)

MusikBlog: Wie auch schon auf den letzten Alben, gibt es auch diesmal wieder unheimlich viel zu entdecken. Was war dir in punkto Sounds besonders wichtig?

Conor ‘O Brien: In erster Linie ging es mir darum, dass wir uns nicht wiederholen. Das letzte Album wurde nahezu komplett am Computer erstellt. Diesmal klingt es allein deshalb schon ganz anders, weil wir als komplette Band involviert waren. So klingt alles irgendwie ein bisschen wärmer und organischer. Ich habe einige halbfertige Ideen zusammen mit der Band reifen lassen. Andere Sachen wurden wiederum nur ergänzt oder einfach nur eingespielt. So entstand ein sehr facettenreiches Ganzes.

MusikBlog: Standen dir musikalisch bestimmte Künstler und deren Werke inspirierend zur Seite?

Conor O’Brien: Ich muss gestehen, dass mich diesmal vor allem ein Album inspiriert und auch beeinflusst hat. Man mag das Jazzige vielleicht nicht wirklich raushören, aber “Masterpieces” von Duke Ellington lief eine Zeit lang rauf und runter bei mir. Auf diesem Album herrscht eine unglaubliche musikalische Disziplin. Das hat mich extrem beeindruckt.

MusikBlog: Bezüglich der Inspiration soll auch nächtliches Schwimmen eine große Rolle gespielt haben. Stimmt das?

Conor O’ Brien: (lacht) Ja, das stimmt. Wir haben 2019 auf einem niederländischen Festival gespielt. Da gab es in der Nähe auch einen See. Dort sind wir dann nach der Show alle zum Schwimmen gegangen. Und aus der Situation heraus entwickelten sich dann inspirierende Gedanken und Gefühle. Im Laufe der Zeit spielte irgendwann auch die Zahl Sieben eine große Rolle. Das hat sich auch irgendwie so ergeben. Da spielten dann religiöse und astrologische Aspekte mit rein, die dann irgendwann Gedankengänge zum Laufen brachten.

MusikBlog: Auf dem letzten Album ging es inhaltlich um düstere Gedanken im digitalen Zeitalter. Um welche Themen geht es diesmal?

Conor O’ Brien: Nun, ich denke, dass die neuen Texte dort anschließen. Es geht jetzt nicht um ein besonderes Themenfeld. Kommunikation, Liebe, all die Dinge, die uns in dieser schnelllebigen Zeit nicht verloren gehen sollten, spielen eine große Rolle. Ich habe eine inhaltliche Oberfläche geschaffen, die man durchdringen kann, wenn man tiefer blicken will.

MusikBlog: Hast du Songs auf dem Album, der dir besonders viel bedeuten?

Conor O’ Brien: Es gibt Songs, die schnell entstanden sind und andere, die mehr Anlauf und verschiedene Takes brauchten. Besonders glücklich bin ich mit dem Ergebnis von “Full Faith In Providence”. Der Song wollte in der Band-Version irgendwie nicht so richtig funktionieren. Dann haben wir ihn ein bisschen reduziert und umgemodelt. Jetzt bin ich total happy mit dem Ergebnis. Solche Entwicklungen bedeuten mir immer sehr viel.

MusikBlog: Was würde dir in naher Zukunft noch viel bedeuten, mal abgesehen von einem gelungenen Promo-Prozess für das neue Album?

Conor O’ Brien: Ja, wir müssen einfach abwarten wie sich die nächsten Wochen und Monate entwickeln. Natürlich würden wir alle gerne wieder live spielen. Aber das gestaltet sich gerade nicht so einfach. Ich beispielsweise bin erst einmal geimpft. Mein Drummer ist noch gar nicht geimpft. Wir müssen also abwarten, wann und wie wieder Dinge möglich werden. Wir haben für die kältere Jahreszeit jetzt schon einige Shows in England, Europa und Irland gebucht. Aber wie gesagt: Wir müssen einfach abwarten und hoffen, dass wir irgendwann wieder zur Normalität zurückkehren.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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