Dass Frauen im Hip-Hop es meistens schwer haben, ist schon lange kein Geheimnis mehr – für die betroffenen Rapperinnen gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie kuschen und verschwinden von der Bildfläche oder sie machen es wie Nura und gehen voll auf Konfrontation.

Auch auf ihrem zweiten Soloalbum „Auf Der Suche“ setzt die Wahlberlinerin ihre Stimme ein, um Ungerechtigkeiten wie Rassismus oder Frauenfeindlichkeit laut und konsequent den Kampf anzusagen. Dabei grast Nura so ziemlich alle Themen ab, die provozieren: Fluchterfahrung, Masturbation, Polizeigewalt, Selbstliebe – die Liste ließe sich noch eine ganze Weile fortführen.

Die Provokation um jeden Preis beschert der Platte ein paar textlich platte Momente. Auf „Wichsen ist Mord“ mit Alli Neumann nimmt Nura die konservative Prüderie gegenüber Frauen auf die Schippe und dreht den Spieß um:

Ihrem Kerl wirft sie vor: „Wollten doch protestieren / Und du gingst onanieren / Menschen gehen demonstrieren / Und du bist onanieren“. Das ist ziemlich witzig – ob es gut gereimt ist, lassen wir mal dahingestellt. Viele ihrer männlichen Kollegen geben sich schließlich noch weniger Mühe.

Die wirklich guten Momente sind sowieso die, in denen eine Message steckt: In die ersten Zeilen des Vorab-Tracks „Niemals Stress Mit Bullen“ packt sie mit dem Vierzeiler „Es ist Nura 0-3-0, habe niemals Stress mit Bullen / Okay, das war gelogen / Meine Hautfarbe bleibt Trend bis du das Blaulicht siehst und rennst / Verführ’ ‘ne Nazi-Braut für jedes Flüchtlingsheim, das brennt“ gleich mal politische Aufklärungsarbeit und Pöbelei zusammen.

Und der Titeltrack des Albums lässt tief in die Seele einer jungen Frau blicken, die schon so einiges erlebt hat: Als Kind ist sie nach Deutschland geflohen, aufgrund familiärer Konflikte wuchs sie zum Teil im Heim auf und ist schließlich nach Berlin ausgerissen.

Nura hatte eine turbulente Vergangenheit, aufgegeben hat sie aber nie. Fazit: „Falle vielleicht auf die Schnauze / Doch ich laufe.“

„Auf Der Suche“ kann einem gefallen, muss es nicht. Geschmack ist ja bekanntlich eine sehr subjektive Sache. Dass Nura Erfahrungen machen musste, die sich viele von uns nicht mal vorstellen können und sich trotzdem nicht hat unterkriegen lassen, ist aber ganz objektiv beeindruckend.

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