audiobooks – Astro Tough

Wenn man an bissigen Sprechgesang mit britischem Akzent über derben Beats denkt, dann kommt ohne Zögern ein Duo aus Nottingham um die Ecke. Aber Sleaford Mods sind nicht länger die Einzigen in ihrer Disziplin, denn audiobooks bilden mit „Astro Tough“ nicht nur das weibliche Pendant zu ihren Landsleuten, sondern spinnen die Weirdness noch eine gehörige Spur weiter.

„The English Manipulator“ erinnert zumindest vom Gesang her sofort an Sleaford Mods. Akzentuierte Lyrics, die mit einem dringlichen Gestus geliefert werden, dem die diesjährige Bundestagswahl nicht mal bei ihren Höhepunkten das Wasser reichen konnte.

Dabei haben die Protagonisten von audiobooks zumindest auf den ersten Blick nicht mehr gemeinsam als Annalena Baerbock und Armin Laschet.

David Wrench, der sich als Produzent von Frank Ocean oder Caribou bereits einen Namen machte und seine grauen, langen Haare mit absolutem Stolz trägt, könnte mindestens Evangeline Lings Vater sein.

Aber auch Ling kann bereits auf eine breitgefächerte Karriere zurückblicken, denn sie beschränkt sich nicht nur auf ihr Dasein als Frontfrau von audiobooks, sondern studierte an der Goldsmiths University in London und arbeitet als Modell.

Vielleicht sind es gerade diese Unterschiede, die den Output von Audiobooks so divers machen. Leichte Kost ist „Astro Tough“ nicht. Spannend aber allemal.

Nicht nur, dass Wrench die volle Bandbreite an Sound auffährt und mühelos zwischen psychedelischen Synthie-Klangflächen, die sogar mit Streichern liebäugeln, und wummernden Club-Beats changiert.

Auch Ling ist in ihrer vokalen Performance unberechenbar. Von spuckendem Sprechgesang wie in „The English Manipulator“, zu mantraartigem Storytelling in „Trouble in Business Class“, geht es auf der Überholspur zur autogetunten Verrücktheit in „LaLaLa It’s The Good Life“.

Dass das die gleiche Frau ist, die in „He Called Me Bambi“ zerbrechliche Songfetzen säuselt, nur um einen Song später in „Blue Tits“ zu verzerrten Gitarren eine Spoken-Word-Performance zum Thema Sex hinzulegen, bei der man nicht weiß, ob man sich jetzt anturnen lassen oder lieber Angst haben sollte, ist schwer vorstellbar.

audiobooks schlagen auf „Astro Tough“ in einem Song mehr Haken, als andere Musiker*innen auf ganzen Alben.

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