„Libertad“ und „Freedom, baby“ fordern eine Vielzahl sich überlagernder Stimmen im Album-Opener von „Shout Out! To Freedom…“ und stecken so direkt zu Beginn den inhaltlichen Rahmen ab, in dem sich Nightmares On Wax auf seinem  neuen Album bewegt.

Bei dem wilden Genre-Mix, den George Evelyn (früher noch gemeinsam mit John Halnon und später Kevin Harper) seit mittlerweile über drei Dekaden zelebrieren und so weit davon entfernt ist, jemals Routine in sein musikalisches Schaffen einkehren zu lassen, scheint „Freiheit“ ein äußerst naheliegender Themenkomplex.

Aber nicht nur sein musikalisches Schaffen fängt Nightmares On Wax so gekonnt ein, sondern ebenfalls den Zeitgeist. Denn seit Beginn der Corona-Pandemie dürfte vielen erst aufgefallen sein, wie viele Freiheiten man im Alltag als völlig selbstverständlich erachtet. Wer hätte vorher denn schon den Besuch eines Fitnessstudios als solche erachtet?

Auch Evelyn scheint das beschäftigt zu haben, denn laut eigener Aussage ist „Shout Out! To Freedom…“ das persönlichste Album, dass er in seiner langen Karriere geschrieben hat. Natürlich sieht Freiheit für jeden anders aus. Vielleicht ist es eine alte Marotte, von der man sich befreien, vielleicht eine toxische Beziehungen oder doch ein geographischer Fixpunkt, den man endlich hinter sich lassen will.

Was könnte also besser passen als 15 Songs, die zwar aus einer Feder stammen, ansonsten aber zumindest an der Oberfläche wenig gemeinsam haben. Müsste man ein Schlagwort für „Shout Out! To Freedom…“ finden, wäre es am ehesten „Lässigkeit“.

Denn das muss man erstmal schaffen, eine Klaviermelodie so locker leichtfüßig aus dem Ärmel geschüttelt klingen zu lassen wie beim hypnotischen „Imagineering“. Wen das nicht zum Träumen anregt, der muss zu viel im grünen Rauch getanzt haben.

Mindenst genau so lässig kommen aber beispielsweise auch die Vocals von „Creator SOS“ daher und wirken deswegen so gar nicht nach einem Hilferuf, sondern nach entspannter Rocksteady-Tradition.

Da macht „3D Warrior“ – wie der Titel schon vermuten lässt – mit mystischem Saxophon und einer Symbiose aus Perkussion und Harmonien, bei der man James Bond schon hinter der nächsten Ecke lauern sieht, deutlich mehr Rabatz.

Mit der Zeile „It’s up to us to explore“ des letzten Songs „Up To Us” – unterlegt von einer harmonischen Melange aus Streichern, Beats und versöhnlichem Gesang von Haile Supreme – findet Nightmares On Wax den perfekten Schlusssatz für „Shout Out! To Freedom…“.

Denn auch nach diversen Durchläufen gibt es auf dem neunten Studioalbum des Briten immer wieder neue, schöne Details zu entdecken.

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