Die Indie-Lieblinge um Adam Granduciel lassen ihrer Springsteenisierung auf „I Don‘ Live Here Anymore“ freien Lauf. Das lässt sich bereits am Cover der fünften The-War-On-Drugs-Platte erahnen. Granduciel mit Gitarre unterm linken Arm und der Kaffeetasse in der rechten, bereit für „Born To Run“. Bereit für die guten Töne des Lebens, wenngleich die lyrischen Verweise auf Bob Dylan die Oberhand haben.

Und sind wir ehrlich. Es ist doch auch egal, wie trist die Zukunftsperspektiven scheinen, zu The War On Drugs lässt sich jederzeit mit Bier anstoßen, sogar aus Bechern. Das kumpelige Wir-Gefühl, das die Band aus Philadelphia mit ihrem sonnen-gegerbten Indie-Rock versprüht, lässt sich in dieser Form höchstens noch Oasis andichten.

Doch je größer der Erfolg, desto stärker die Durchsetzung. Insofern schaffen The War On Drugs die Kumpelei im Grunde noch besser als die Gallagher-Brüder. Menschen mit Oasis-Shirts können schließlich auch Idioten sein. Wer aber The War On Drugs auf einer heimlichen Lieblingsliste hofiert, zählt automatisch zum Freundeskreis.

Stadionrock für Indieclubs. Americana für den Highway, der noch den zähesten Stadtverkehr beiseite räumt. „Slave Ambient“ „Lost In The Dream“ und zuletzt „A Deeper Understanding“ sind alles Perlen einer Diskografie, die zwischen Heldenverehrung und zeitgenössischer Rockband immer den Ton trifft und die auf verträumte Weise Neil Young, Tom Petty und Bob Dylan einer neuen, shoegaze-affinen Hörerschaft zugänglich machte.

Jetzt fokussiert sich Adam Granduciel eben mehr denn je auf den Boss. Wobei er selbst daraus noch nie einen Hehl gemacht hat, schließlich heißt sein Sohn Bruce. Bisher hat er es aber doch vermieden, einen solch direkten, mitten ins Heartland zielenden Song zu schreiben wie „I Don’t Live Here Anymore“, den Springsteen direkt nach „Hungry Heart“ gepackt hätte.

Die Synthesizer und der Vibe klingen nach Don Henleys „Boys Of Summer“, die Lyrics gehen genau so weit nach draußen. „Like when we went to sea Bob Dylan/ We danced to ‚Desolation Row‘“.

Ein Titelsong, der den Punkt im Leben feiert, an dem man nicht mehr in den Wellen der alten Erinnerungen ertrinkt, sondern auf ihnen surft, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, straight forward. Auf die guten Zeiten.

Entsprechend ist das Album ein Quell schimmernder Synthies, schwebender Gitarren. Und das Schlagzeug hält den Takt, als hinge sein Leben davon ab. Von den akustischen Schaumbädern wie „Living Proof“ einmal abgesehen, die mit Piano und Granduciels Storytelling der Platte wiederum einen Anstrich von Springsteens „Ghost Of Tom Joad“ geben, dabei aber nie in völliger Melancholie baden gehen.

Denn am Ende ist eines sicher: Egal, wie beschissen alles aussieht, nach The War On Drugs geht’s besser.

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