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An diesem Ort ist irgendetwas magisch – Houndmouth im Interview

Alles ist anders, aber aber auch irgendwie doch wieder nicht: Houndmouth aus dem US-Bundesstaat Indiana haben in den vergangenen fünf Jahren viele Veränderung durchgemacht und dadurch wieder zu sich selbst gefunden. Nach zwei Label-Wechseln, einem musikalischen Ausreißer-Album und dem Besinnen auf alte Stärken ist das Trio mit seinem neuen Album “Good For You” wieder in einer guten, beständigen Position. Dafür sorgte nicht nur Produzent und Genre-Experte Brad Cook (Waxahatchee, Bon Iver, Big Red Machine), sondern auch das Verlangen von Houndmouth, endlich wieder zu Hause anzukommen – und sei es nur kreativer Natur. Wir trafen uns mit Schlagzeuger Shane Cody und sprachen über die Rückkehr in ihr erstes Hauptquartier, die eigenen Wurzeln und die Wichtigkeit des eigenen Wohlbefindens.

MusikBlog: Shane, wann war der Zeitpunkt, an dem ihr euch dazu entschlossen habt, euer neues Album zu schreiben?

Houndmouth: Wir haben kurz vor Corona angefangen. Sobald es damit losging, haben wir uns eingeschlossen und losgeschrieben. Unser Produzent Brad hat uns dafür sogar extra besucht.

MusikBlog: Die Platte ist eine Rückkehr zu euren folkigen Wurzeln. Wie kam die Kurve in die Vergangenheit zustande?

Houndmouth: Es lag größtenteils wahrscheinlich an unserem alten Haus. Wir haben dort seit unserer allerersten EP 2012 nicht mehr gearbeitet und die Aufnahmen für das Album haben uns daran erinnert, wie es damals für uns war mit den technischen Einschränkungen. Jetzt haben wir zwar viel besseres Equipment am Start, mental half es aber sehr – wir sind in vielerlei Hinsicht wieder nach Hause gekommen.

MusikBlog: Es war auch nicht nur das erste Material seit fast zehn Jahren, das im Haus entstand, sondern auch das erste Album in eurem typischen Americana-Stil, das ihr zu dritt aufgenommen habt.

Houndmouth: Es hat geholfen, dass wir uns dort so wohlgefühlt haben. Weil dort alles angefangen hat, wo unsere Proben damals stattfanden und unsere ersten Songs entstanden. Dieses Haus bedeutet sehr viel in unserer Bandgeschichte.

MusikBlog: Das Vorgängeralbum klang da noch ganz anders und recht ungewohnt. Welche Erfahrungen brachte euch dieses Album, die ihr auch in Zukunft anwenden werdet?

Houndmouth: Wir haben uns seit „Golden Age“ vorgenommen, dass wenn wir Produzenten haben, wir keine halben Sachen mit ihnen machen. Wir behandeln sie dann wie ein Bandmitglied, hören auf sie und befolgen ihre Anweisungen. Es war zuerst ungewohnt, freiwillig so viel eigene Kontrolle aufzugeben, aber am Ende hatten wir noch nie so viel Freude daran, mit Musik zu experimentieren.

MusikBlog: Wie gut funktionierte die Vorgehensweise dann auf „Good For You“?

Houndmouth: Für mich war es die bisher schönste Erfahrung, ein Album aufzunehmen. Sich auszutoben macht Spaß, aber mit Limitierungen zu arbeiten, an jedem einzelnen Ton zu schleifen und alles sorgsam und mit Bedacht zu platzieren. Brad hat uns in dieser Hinsicht ein Stück weit die Augen geöffnet und uns neue und aufregende Ansätze nahegelegt. Er ist ein absoluter Guru. Tatsächlich ist er an uns herangetreten und hat gefragt, ob er uns produzieren kann. Da wären wir doch ziemlich blöd gewesen, wenn wir nein gesagt hätten.

MusikBlog: „Good For You“ ist euer erstes Album auf Dualtone. Wie kam es zu dieser doch passenden Zusammenarbeit mit solch einem prestigeträchtigen Folk-Label?

Houndmouth: Unser Kontakt zu Dualtone besteht schon lange, sie waren nämlich eine der ersten Plattenfirmen, die mit uns gesprochen haben, als wir damals anfingen. Man könnte fast sagen, dass sich hier genau wie mit der Rückkehr in unser altes Haus ein Kreis schließt.

MusikBlog: Das bedeutete auch eine Abkehr von eurem Deal mit einem Major-Label.

Houndmouth: Wir waren einfach kleine Fische im riesigen Ozean von Warner und hatten das Gefühl, wir müssten mit den großen Acts konkurrieren. Da haben wir natürlich keine Chance. Das Einzige, das man uns wirklich bieten konnte, war ein Budget, was nun mal nicht immer das Wichtigste ist. Das ersetzt keine knarzigen, aber liebevollen Songs.

MusikBlog: Der Name des neuen Albums ist ein interessanter, denn „Good For You“ kann in den verschiedensten Situationen völlig verschiedene Dinge bedeuten. Im Titeltrack ist die Botschaft: „Tu einfach, was dich glücklich macht“. Konntet ihr diese Botschaft für euch selbst leicht verinnerlichen?

Houndmouth: Absolut, und das ist das Schöne an dem Titel: Wir haben nicht lange über diese Aussage nachgedacht, es ist eher ein Slogan aus dem Bauch heraus, der so flexibel ist, dass er in fast allen Situationen passen kann. Für uns bedeutet es: Gut für dich, wenn du gefunden hast, was dich glücklich macht.

MusikBlog: Wir haben über euer altes Hauptquartier gesprochen, welchen Stellenwert hat das “Green House” für euch – nicht nur musikalisch, sondern auch unter euch als Freunde und besonders seit der Pandemie?

Houndmouth: An diesem Ort ist irgendetwas magisch. Wir haben dort während des Lockdowns auch viele spontane Session-Videos aufgenommen, weil wir nicht wirklich rausgehen konnten und wollten. Uns hat ein befreundeter Filmemacher besucht, wir haben diese Songs in einem Take gespielt und direkt danach in die Welt hinausgeschossen – die Energie und Verbundenheit dabei war außergewöhnlich. Im Haus ist immer alles angeschlossen und bereit zum Spielen, sodass man nicht lange überlegen muss. Das trägt wohl zur Magie bei.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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