An der Theke werden Pfefferminztee und alkoholfreies Bier bestellt. Schließlich ist auch Montag. Wem die Kälte von den nahenden Minusgraden vor der Tür noch in den Knochen steckt, kann sich auf dem hofeigenen Weihnachtsmarkt des Bumann & SOHN mit einem Glühwein aufwärmen und so die Wartezeit überbrücken, während im Hintergrund Courtney Barnett läuft.

Was dann um kurz nach acht passiert, hat plötzlich gar nichts mehr von Montagabend. Lyschko aus Solingen keifen mit jeder Menge Wut und Songtiteln wie „Der Gang vor die Hunde“ oder „Weltende“ ihren Ärger über jegliche Missstände in das begeisterungsfähige Kölner Publikum.

Zwischen jeder Menge geschüttelten Haaren, ekstatischen Tanzmoves und Stimmbändern, die als Grundzustand das Ausloten der eigenen Grenzen erklärt zu haben scheinen, kann man Lyschko in Sachen Entschlossenheit keinen Vorwurf machen, bleibt teilweise jedoch etwas reizüberflutet zurück.

Aber vielleicht hat man auch einfach andere Erwartungen an eine Band, die für Trümmer eröffnet. Denn statt mit wilder Performance überzeugen diese dann etwas später, wie vermutet, mit ihrer sympathischen Art, die zu keiner Zeit auf Superlative setzt, sondern stattdessen eine wohlige Wärme verbreitet, zu der man dann ab und an auch mal ein bisschen explodieren darf.

Bei Songs wie „Wie spazieren gehen“ machen Trümmer mit ihrem träumerischen Indie-Pop, der live noch eine Nummer atmosphärischer wirkt als auf Platte, deren Name alle Ehre.

„Der nächste Song handelt vom Spazierengehen. Es gibt so einen Bezirk in Berlin, wenn man da durchschlendert, hat das so eine ganz besondere Magie“, kündigt Paul Pötsch besagte Nummer an, bevor ihn sein Bandkollege vor allzu weiten Ausschweifungen mit dem Hinweis bewahrt, dass wir uns heute in Köln befinden.

Als Pötsch bei „Zwischen Hamburg und Berlin“ erneut in die Ortsfalle tappt, versichert er die Anwesenden mit folgendem Trost: „Mensch, wir müssen auch mal einen Song über Köln schreiben. Das geht ja so nicht weiter.“

Dass Trümmer länger keine Show mehr gespielt haben, merkt man höchstens an Pötschs – äußerst sympathischer – Schüchternheit. „Huch, meine Gitarre ist ja völlig falsch gestimmt“, bricht er einen Song nach wenigen Sekunden ab und fügt hinzu „Und das hat jetzt auch jeder gehört. Mann, wie peinlich“.

Er hat es aber auch nicht einfach, wie er zu Beginn des kleinen Zugabenblocks kundtut: „Es ist so dunkel hier. Und jetzt machen die auch noch Nebel an. Ich kann auch an meiner Gitarre gar nichts erkennen. Aber egal. Können wir mal Saallicht haben? Die Leute würde ich nämlich wirklich gerne mal sehen“.

Der Techniker tut ihm den Gefallen und Trümmer dürften angesichts der Helligkeit des Lichts in ziemlich viele zugekniffene Augen blicken.

Zu „Wo ist die Euphorie“ ist die Gitarre dann auch endlich richtig gestimmt und Trümmer lassen ihre Instrumente nochmal richtig krachen, während Pötsch mantraartig immer noch auf der Suche nach der Euphorie ist.

Er dürfte an diesem Montagabend im Kölner Bumann & SOHN fündig geworden sein.

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