Mario Batkovic haben wahrscheinlich viele von uns nicht auf dem Schirm, obwohl er Meister seines Faches ist. Der Schweizer Musiker, Komponist und Songwriter tingelt seit vielen Jahren mit verschiedenen Rockbands durch ganz Europa, schreibt für viele Filme die Musik.

Doch warum fliegt er bei vielen unter dem Radar? Vielleicht liegt es daran, dass das bevorzugte Instrument von Mario Batkovic das Akkordeon ist. Was auch viele nicht wissen: mehr als 32 Millionen Menschen haben definitiv schon einmal Musik von Batkovic gehört, denn im Jahr 2018 erschien das Spiel “Red Dead Redemption 2”, welches als eines der erfolgreichsten Spiele gilt und zahlreich ausgezeichnet wurde – darunter auch der Soundtrack, bei dem nicht nur Willie Nelson und Josh Homme ihr Können dargeboten haben, sondern eben auch Mario Batkovic.

Mit “Introspectio” erscheint nun das Zweitlingswerk von Mario Batkovic. Und die Songs scheinen noch experimenteller zu sein als auf seinem Debüt. Hypnotisierende Klangwelten und Soundtracks, akustische Aktmalerei ohne Retuschen und Kosmetik – all das macht “Introspectio” aus.

Dabei werden selbst die vermeintlichen Störgeräusche wie das Klicken der Tasten des Registers oder das Ziehen des Balges stimmungsvoll in das Arrangement der Songs integriert. Das beste Beispiel dafür ist “Repertio”, welches in Zusammenarbeit mit Schlagzeuger Clive Deamer (Portishead und Radiohead) und dem ehemaligen Beak>-Mitglied Matthew Williams alias MXLX entstanden ist.

Am Anfang noch balkanlastig, springt der Song schnell in virtuose Tremolo über und erzeugt einen Sound, die an Trentemøller “The Last Resort” aus dem Jahr 2006 erinnert. Ein dunkles und zugleich treibendes Gewand wird geschaffen, welches nur von langgezogenen Akkorden durchbrochen wird.

Auch das chorale “Sanatio” und das schnell treibende “Quis Est Quis” hauchen dem Album düstere Klänge ein. Mario Batkovic spielt gezielt mit moll-lastigen Melodien und dem ganzen Repertoire klassischer Musik. Beide Songs sind herausfordernd, experimentell und stets hypnotisierend – sie überschreiten die konventionellen Grenzen der Musik.

Bei “Primordium Finale” zeigt Mario Batkovic wieder eine komplett neue Klangwelt auf. Aufgebaut mit sich wiederholenden, rhythmischen Klängen und untermalt von tiefen Bass-Sounds, steigert sich der Song mit jeder Sekunde.

Elektronischer wird es mit “Chorea Duplex”, bei dem Mario Batkovic zusammen mit dem britischen Techno-Musiker und DJ James Holden ein Klangbild erzeugt, welches im Gesamtbild wie eine riesige Orgel wirkt. Bedrohlich, gewaltig und zugleich friedlich, leicht. Die Vielzahl von unterschiedlichen Tönen, die in der Gesamtheit ein komplett neues Spektrum erzeugen, ist enorm und atemberaubend.

Das, was Batkovic am Akkordeon erzeugt, schaffen sonst nur Künstler wie Nils Frahm oder Ólafur Arnalds am Klavier. Es ist genau die Mischung aus neuer Musik und klassischen Elementen. Mario Batkovic ist auf “Introspectio” weit entfernt von beschaulichen ,schweizerischen Heimatklängen.

Er entlockt seinem Instrument abgrundtiefe und schwelende Drones, schwebende Melancholien, minimalistische Rhythmen. Wie lichtferne Bergmassive sind seine Tracks schroff, scharfkantig und unwirklich: Moll ist die Farbe, die er nie verlässt.

“Introspectio” scheint auf den ersten Blick seltsam und ungewohnt, doch wenn man sich einmal den Klängen hingegeben hat, dann erscheint die Musik von Mario Batkovic sehr vertraut.

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