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Don Marco Und Die Kleine Freiheit – Ewig Und Drei Tage

Es gibt Kolleg*innen, die bezeichnen Don Marco & Die Kleine Freiheit als Deutschrock. Das ist nichts weniger als ein infamer Etikettenschwindel.

Als würde sich Markus Nägele aka Don Marco und seine kauzige schlechte Laune tatsächlich im Saturn-Regal irgendwo zwischen den Toten Hosen und den Böhsen Onkelz einsortieren lassen. Für beide Kapellen gibt es auf „Ewig und drei Tage“ mehr Gegenargumente als Lebensbejahendes.

Sätze wie: „Was sollen wir machen, wenn’s nicht mehr weitergeht? / Bis zur Rente ist noch weit“, würden beiden niemals über die Lippen kommen. Aber Don Marco hält am Unbehagen über die gesellschaftspolitischen Gegebenheiten mit einer gewissen Lebensmüdigkeit fest.

Und so klingt auch der Sound herrlich verschlissen und immer ein bisschen, als würde jemand in einen Putzeimer hineinklagen. Das Kinn stets tiefer als der Durchschnitt getragen, dafür den trotzigen Humor ganz hoch aufgehängt. Und das darf sich bisweilen durchaus zum Fest für die angeschlagenen Sinne aufspielen.

„Ich geh‘ aufm Zahnfleisch/ „Ich geh‘ aufm Zahnfleisch/ Ich hab‘ nichts verbrochen gestern Nacht/ Ich hab’ nicht mal gesoffen letzte Nacht/ Ich hab‘ geschuftet wie ein Depp und war zu viel zu vielen nett“.

Anhand der glamourösen Gästeliste aus dem Underground, lässt sich erkennen, wie wichtig das wirklich wichtigen Leuten ist: Mit dabei sind Kristof Hahn (Swans), Tim Jürgens (Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, Superpunk), Philip Bradatsch, Maria De Val (Me & Mary, Ganes, Angela Aux), Teresa Staffler (Drop) und Maxi Pongratz (Kofelgschroa).

Das sind allesamt Menschen, die nicht als Zyniker bekannt sind und die Nägele auch auf der Länge eines Doppelalbums Kredibilität verleihen, wo ohnehin keiner mehr gezweifelt hat.

Und dort, wo die Große Freiheit steht, hat der Sänger von Fuck Yeah mit seiner kleinen Freiheit und seiner zweiten Platte auf Deutsch ohnehin eine größere Verästelung als irgendwo sonst, wenngleich ihm der intellektuelle Diskurs der Hamburger-Schule scheißegal ist.

Trotzdem steht er Leuten wie Tilman Rossmy von Die Regierung oder PeterLicht nahe, die mit ihren Antithesen unterschwellig immer gegen den Kapitalismus und das Establishment, auch das im eigenen Umfeld, ansingen.

Und die beiden Herren gibt’s schließlich auch nicht bei Saturn.

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