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C. Duncan – Alluvium

Dass C. Duncan nicht nur der einfache Indie-Folk-Barde von nebenan ist, zeigt allein sein Werdegang: Von den Eltern inspiriert – der Vater Geiger, Mutter spielt Viola – lernt der junge Christopher Klavier und Viola.

In der Schule kommt bereichernder Zugzwang hinzu: Um in der Welt der Schülerbands dabei sein zu können, eignet sich der junge Musiker die typischen Rock-Instrumente Gitarre, Bass und Schlagzeug an. Seine handwerkliche Substanz verdichtet sich immer weiter.

Das geht so weit, dass Duncan in der Royal Scottish Academy of Music and Drama ein Studium der klassischen Komposition abschließt. Die Basis für eklektische, transzendentale Musik, die über Genres und Epochen steht, ist geschaffen.

Seitdem veröffentlichte der Multiinstrumentalist drei im Alleingang aufgenommene Alben, die so tiefgehend und facettenreich klingen, wie es sein Hintergrund vermuten lässt: Zwischen Klassik, Pop und Avantgarde erforscht der 33-Jährige ungeahnte Welten.

“Alluvium” ist da der neueste Geniestreich, der Duncans Universum um ein weiteres Stück erweitert. Dafür bewegen sich die Songs weg von funkigen 80s-Pop-Eskapaden des 2019er Vorgängers “Health” hin zu lässig schwebenden Songs zwischen Barock und Retro-Psych-Pop.

Zugegeben, versucht man, Duncancs Werke in Worte zu fassen, tut man sowohl ihnen, als auch sich selbst keinen Gefallen: Entweder werden die Beschreibungen unvollständig und erfassen die Songs nicht richtig oder man verzettelt sich in komplexen und ausschweifenden Ausführungen über Genres und Einflüsse.

Einfacher ist es, sich die verträumte Atmosphäre im Opener “Air” zu Gemüte zu führen: Beeindruckend zeigt Duncan hier, wie selbstsicher er Klangwelten aufschichten und diese leichtfüßig mit einer Art Melodrama vermengen kann, das an den Psych-Pop der 60er und frühe Prog-Bands der 70er erinnert.

Was in der Theorie komplex aussieht, klingt in der Praxis wie ein sonniger Sonntagmorgen, der immer wieder zum Eindösen einlädt. Duncan versteht es, die Balance aus pop-untypischen Melodieläufen und tiefenentspannter Eingängigkeit zu finden.

Auf “Alluvium” hat daher alles seinen Platz: Dream- trifft auf Art-Pop, Freak-Folk folgt auf ein zuckersüßes Klavierstück wie “Lullaby”, danach lässt der Musiker in “I Tried” den Synth-Pop wieder aufleben, ohne dass irgendetwas davon sein hervorragendes Songwriting in den Schatten stellt.

Wie auf den vorherigen Alben auch, ist es hier eine wahre Wonne, dabei zuzuhören, wie mühelos der Schotte Verbindungen herstellt und emporhebt. Solch ein Talent wird nur allzu oft in die Ecke “Lieblingsmusiker deiner Lieblingsmusiker” gestellt, angemessen ist das für Duncan aber eigentlich nicht: Ihm sollte die Welt gehören.

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