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Mura Masa – demon time

Der Tag gehört den Frohnaturen, die Dämmerung den romantischen Seelen – und in der Nacht öffnet sich das Tor für die Unbegreifbaren, aus der Reihe Tanzenden. Ob im Club, in den eigenen vier Wänden oder draußen in der Natur – hier scheinen für wenige Stunden völlig andere Regeln zu gelten. Genau dieser Zeitspanne, konkret der von 1 Uhr bis 5 Uhr morgens, widmet Mastermind Mura Masa sein drittes Album. Eine Reise in die “demon time”.

Als Genre definierender Innovationskopf ist Alexander Crossan seit seinem Debütalbum “Mura Masa” einer der Klassenlieblinge aus der Elektro-, gar der gesamten Indie-Szene. Das zeigt sich alleine an der ellenlangen Liste an Features von Größen wie Damon Albarn, Christine And The Queens, Wolf Alice oder Buddy Slowthai. Hinzu kommen beliebte Remixes für Acts wie Lady Gaga oder HAIM. Läuft also.

Auch bei “demon time” hat Crossan das Tonstudio in eine Hausparty verwandelt. Die ganz großen Namen fehlen vielleicht in der Liste, was die Kombinationen aber nicht weniger spannend macht. Jeder Track bekommt einen oder mehrere Feature-Gäste spendiert, unter anderem sind Erika de Casier, Shygirl, Leyla, Slowthai, Pa Salieu und Lil Uzi Vert am Start.

Für den wichtigen Moment des Openers und Titeltracks gesellt sich aber die junge Künstlerin Bayli aus Brooklyn dazu, deren Stimme im Reigen elektronischer Verfremdung zerfließt. Der zugehörige Beat ist gleichzeitig zerrupft, geradlinig und sphärisch. Nächtliche Atmosphäre: 10/10.

Und die scheint bei Mura Masa aus der mysteriösen Undeutlichkeit zu bestehen, die ja ohnehin so unverkennbar zur Handschrift des Musikers gehört. Vor dem Panorama aus flackernden Beats und funkelnden Samples gibt es mal R&B (“bbycakes”), mal Club-Stimmung mit Jazz-Bläsern (“hollaback bitch”), mal Trap (“Blessing Me”) und an anderer Stelle offenherzigen Indie (“2 gether”).

Als Paradebeispiel taugt dabei “Up All Week” mit Slowthai, dessen Beats an Deichkind und Kid Cudi erinnern und damit den Y2K-Spirit aufleben lassen, der die gesamte Platte durchzieht. Hier in Form von Gameboy-Samples, an anderen Stellen in offenen Querverweisen zu den Genres der 00er-Jahre.

“demon time” ist dabei viel. Vielleicht für manche gar zu viel, denn die maßlose Überfrachtung und Verfremdung steckt jedem Track in den Knochen. Damit ist das dritte Werk auch Mura Masas Verneigung vor dem Hyperpop-Hype. Und die wirft einen unweigerlich in die undefinierbaren Schatten der Nacht.

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