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Christine And The Queens – Redcar Les Adorables Étoiles (Prologue)

Christine And The Queens ist jetzt Redcar. Ein neues Alter Ego für ein neues Projekt fügt sich schlüssig in das Gesamtwerk des nicht-binären Acts Héloïse Letissier ein, der männliche Pronomen bevorzugt.

So ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich ein roter Faden, der sich durch sein Schaffen zieht und in der Vergangenheit für komplexe und tiefgründige Pop-Musik sorgte. Ob es auch um sexuelle, kulturelle oder soziale Identität geht – wer bin ich? Wer muss ich sein? Wer wäre ich stattdessen lieber?

Davon zeugt etwa auch heute noch der Zusatz des Künstlernamens: Die “Queens” sind eine Drag-Queen-Gruppe aus London, unter der Letissier sein ganz eigenes Verhältnis zum Selbst erkundet und kennengelernt hat – der Name ist geblieben, damit die Queens zumindest gedanklich immer dabei bleiben.

Nicht nur angesichts des neuen Alter Egos ist “Redcar Les Adorables Étoiles (Prologue)” kein gewöhnliches Album, denn zum Release kündigte Letissier begleitende Performance-Shows an, die rund um das Veröffentlichungsdatum in Paris und London stattfinden.

Geht man zuerst allerdings nur nach dem musikalischen Wesen, tummeln sich die 13 neuen Songs in Gewässern, die sich für Christine And The Queens einfach richtig anfühlen. Der Sinn steht nach schleichendem, schwebendem Synth-Pop mit unkonvontionellen Strukturen, Unangepasstheit und Überraschungen hinter jeder Hook, die im eigentlichen Sinne eigentlich gar keine Hook ist.

Es ist ein Liebesbrief an verträumten Pop der 80er im Allgemeinen. Genauer gilt die Schockverliebtheit einerseits Avantgarde-Künstler*innen wie Kate Bush und David Bowie, andererseits dem kühlen, nüchternen und zuweilen sogar finsteren Achtziger-Chanson aus Frankreich.

Letissier wirkt in sich gekehrt, nachdenklich, gar betrübt auf “Redcar Les Adorables Étoiles (Prologue)”. Die Songs drehen sich oft um die unverfälschte Liebe zum Gegenüber und die Sprachen, mit der die Gefühle zum Ausdruck kommen.

Die Sehnsucht nach körperlicher Nähe und purer, radikaler Zweisamkeit findet wie in der Vergangenheit in einer französisch-englischen Dichotomie statt, wobei die Anteile diesmal ungleich gewichtet sind: Ein Großteil der Texte ist in Letissiers Muttersprache gehalten, mit der gelegentlichen Zeile auf Englisch.

Zu welch einer emotionalen Wucht Christine And The Queens fähig ist, fasziniert immer wieder. Dass “Redcar Les Adorables Étoiles (Prologue)” eine ganz neue Dimension des gefühlvollen Ausdrucks findet, umso mehr.

Laut dem Namen handelt es sich um einen Prolog – haben wir bisher also nur einen Vorgeschmack auf viel größere Dimensionen bekommen? Das Alter Ego Redcar verrät nichts und genießt die Antizipation in der Luft.

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