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Ben Gregory – Episode

Mit “Episode“ erscheint das Solo-Debütalbum eines einst erfolgreichen Sängers: Ben Gregory stand jahrelang an der Front von Blaenavon, einer Indie-Rock-Band aus England, und konnte mit ihr Unmengen an Erfolge verzeichnen.

Erst im November letzten Jahres folgte dann die plötzliche Trennung der vierköpfigen Gruppe, die seit 2013 die Rock-Szene in UK stolz gemacht hat. Einerseits wurde diese Entwicklung mit den unterschiedlichen, kreativen Prozessen der Mitglieder begründet, anderseits aber auch mit der fortschreitend verschlechternden psychischen Verfassung des Leadsängers.

“Episode“, das acht Tracks umfasst, kam während dem anschließenden Aufenthalt in einer psychiatrischen Institution zu Stande. Dort ließ Ben Gregory seine bipolare Erkrankung behandeln, dessen ruhelose Charakteristik mitunter das Hauptthema des Albums ist.

Die Platte beginnt mit dem StatementSong “Storm Of Conversation“, der die Überstimulation von Meinungen und Informationen anhand einer Sternen-Analogie beschreibt. Ein gemächlicher Beat mit grobem Klang wird schnell durch ein asynchrones Tempo eingetauscht und vertont mit verzerrter Stimme die andauernde psychische Verfassung von Gregory.

Weiter geht es mit dem 10-minütigen Epos “Blue Sea Blue“, das mit einem wabernden Dance-Beat aufmacht und die Experimentierwut des Engländers aufzeigt. Dass er mal in einer Indie-Rock-Band perfomte, vergisst man nach dem Aufmacher schnell zwischen den Bläsern und Flamenco-Gitarren. “Because there is no room left inside your head“, singt der Künstler und erklärt mitunter, wieso der Track so lang ist.

Zwischen kürzeren, introspektiven Stücken wie “Fall Away ‘Til Morn“ oder “Mother’s Son“ erheben sich zumeist unfassbar lange Werke, die man in ihrer klanglichen Vielseitigkeit kaum fassen und ebenso wenig überhaupt als “Song“ bezeichnen kann.

Der einstige Rocker bricht aus seinen Genre-Ketten und taucht nicht nur intensiv in seine Gedankenwelt ein, sondern bringt diese auch durch einen emanzipatorischen Sound zur Geltung. Am Eindrücklichsten ist dabei wohl “Deathbed Hangover“:

In sieben Minuten haut Gregory seinen eignen Track kurz und klein und bringt Verwirrtheit, Resignation und Erschöpfung überwältigend mit elektronisch zerrenden Synthesizern zum Ausdruck.

Ben Gregory selbst sagt über “Episode“: “Everything on ‘episode’ comes back to my struggle to interpret, or reinterpret, my life and its core relationships, after having my concept of reality revoked.“ Als Hörer*in kann man der gesamten Platte, einer “Episode“ des Sängers, nachvollziehbar folgen; sie ist zugleich auch ein Hörbuch seiner letzten Monate.

Doch nicht nur sein Leid rückt Gregory in den Fokus: Seine Liebe zur Musik ist allgegenwärtiger als je zuvor.

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