Sechs Jahre Beziehung vorbei. Der daraus resultierende Schmerz, gemixt mit der Aufregung einer neuen Bekanntschaft, ist der emotionale Nährboden für Softees Album „Natural“. Für den Sound nennt die Musikerin, die einst mit Katy Perry-Coversongs den Weg auf die Internet-Bühne gesucht hat, Robyn und Timbaland als zwei der Haupt-Einflüsse.

Das Ergebnis verrät keine dieser Inspirationen und baut lieber ein eigenes Konstrukt aus Bedroom-Pop, Synthies und Mehrstimmigkeit. Wie ein Break-Up-Album klingt „Natural“ im klassischen Sinne jedenfalls nicht.

Viel zu schnell lässt die Platte die Melancholie des Openers „The Floor“ hinter sich. Auch, wenn allein der Satz „I can’t look into your eyes, I choose the floor“ in Kombination mit den anschließenden Synth-Wellen genug Sprengkraft für das handelsübliche Herz hat.

Danach ist das Spotlight auf den Pop im Bedroom-Pop gerichtet. Softee spielt diesen meisterhaft und überdimensional. Stimme wird über Stimme geschichtet, die Sounds breiten sich weiter aus, als das Ohr hören kann. Dazu gibt es einen Vibe, der mal lässig, immer aber voller Hingabe schmachtet.

Mal führt diese Wand an Vocals in croonende Bläser-Arrangements („Molly“), mal konterkarieren sie sanft wie Honig die knirschenden Beats („Natural“), mal führen sie die Club-Beats an der Leine in den Rave („Red Light Green Light“).

Nur im Ruhepol des Albums, der auf den Titel „Grief“ hört, zeigt Softee, wie gut diese Harmonien auch im sanftmütigen Gefilde funktionieren, und auch, wie intim dieser Sound klingen kann. Ansonsten sind bei „Natural“ alle Zeichen auf Pop-Appeal, Eingängigkeit und angezogenem Tempo gesetzt. Funktioniert mindestens genauso gut.

Neben der geschmeidigen R&B-Hingabe und den großen Pop-Melodien bekommen die Synthies den dritten Platz auf dem Treppchen an Kern-Sounds. Daraus können aber auch mal Ausnahme-Songs entstehen, wie der Soul-Pop von „Fix It“, bei dem Softee Unterstützung von Jordan Webb und Namir Blade erhält.

Ein großes Ausrufezeichen hängt aber vor allem nach „U+ME“ im Raum. Dieser sehr intensive Song erinnert gleichermaßen an RAYE. und Celeste, präsentiert diesen aber dabei die Kraft der Synthesizer. Eine Platte, die ihren eigenen Sound findet, und dabei noch auf diesem Zeitgeist-Impuls endet? Sollte man nicht verpassen.

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