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Hozier – Unreal Unearth

Manche Musiker*innen sind mit so guten Stimmen gesegnet, dass sie die Sache mit dem Songwriting ganz vergessen. Das macht oft nichts, weil zumindest die Singles oft einschlagen können. Auf Album-Länge kommen diese Kaliber dann schon eher ins Straucheln. Glücklicherweise macht sich Hozier den Weg auch auf seinem dritten Studioalbum nicht so leicht.

Und das, obwohl er doch schon vor vielen Jahren eindeutig bewiesen hat, wie gut er mit seiner Stimme Millionen problemlos in die Kirche tragen konnte. Viele Jahre nach dem Hit “Take Me To Church” ist der Hype um den irischen Folk-Musiker zumindest in Indie-Kreisen noch groß. Und die haben ja noch gar nicht dieses neue Großwerk gehört!

“Unreal Unearth” fühlt sich ein wenig unwirklich an, so viele Querverweise und Sounds fließen hier so selbstverständlich wie eine Limo-Maschine im Kino durch den Hörgang. Dass Hozier beim Songwriting Unterstützung von so unterschiedlichen Musiker*innen wie Jeff “Gitty” Gitelman (The Weeknd, H.E.R.), Jennifer Decilveo (Miley Cyrus, The Strokes) und Bekon (Kendrick Lamar, Joji) erhalten hat, ist da nur ein kleines Puzzle-Stück der großen Faszination.

Dass die gesamte Platte auf Dantes “Inferno” basiert, ein weiteres. Kreisend um die großen Herausforderungen und Katastrophen unserer Gegenwart nutzt Hozier das große Epos für ein über das ganze Album erstreckendes Narrativ. Die Lyrics bieten dementsprechend viel Futter zum Grübeln, Fühlen, Nachlesen.

Im Sound gibt es dann das nächste Inferno: An der einen Stelle tänzelt smoother Funk (“Eat Your Young”), an der anderen hittiger Indie-Rock im Stil der Cold War Kids (“First Time”) und zwischendurch kommt dann auch noch ein gigantisches Folk-Duett mit Brandi Carlile (“Damage Gets Done”) auf die Bühne.

Immer wieder streicheln dazu noch wattig weiche Streicher die Seele, etwa in “I, Carrion (Icarian)” oder dem cineastischen “Son Of Nyx”. Lässt man auch gerne mit sich machen, vor allem weil “Unreal Unearth” gleichzeitig Raum für geschmackvolle Synthie-Arbeit und moderne Beats (“Abstract (Psychopomp)”) zimmert.

Als wäre das nicht alles schon hervorragend genug, gibt es eine unglaublich charmante Verzahnung von Gesellschaftskritik und Lebensfreude (bitte “Anything But” hören!), Melancholie und Frohsinn. Ach so – und eine schlicht gigantische Stimme natürlich auch.

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