Diese Woche ist das Debütalbum der dänischen Künstlerin Marí erschienen. Es trägt den Titel „Making Peace With Uncertainty“ und enthält 11 neue Tracks feinster nordischer Depression. Gut so.

Linda Marí Josefsen stammt von der Insel Mors in Nordwestjütland in Dänemark. Mehr wissen wir von Marí noch nicht vor ihrem ersten Album. In Nordwestjütland gibt es im August sechs Sonnenstunden, 20 Grad und 60 mm Regen, über den Januar reden wir lieber nicht. Trauriges Wetter.

Aalborg ist die größte Stadt, mit 120.914 Einwohnern und einer brummenden Kunstszene. Auch „Making Peace With Uncertainty“ ist in Kollaboration mit vielen anderen Musiker*innen entstanden. Es ist ein trauriges Album geworden.

Brauchen wir das gerade? Dunkle, traurige, zarte und wehmütige Musik? Leise Töne, langsame Rhythmen, zurückhaltende Stimmen, Schneematsch und diesen Scheißregen, der dauernd die Richtung wechselt und horizontal pisst, damit man garantiert nass wird, egal, wo man sich versteckt?

Das Faszinierende an Musik ist, dass sie eben nicht funktioniert wie ein Medikament. Keine Depression wurde jemals geheilt, weil im Radio „Walking On Sunshine“ von Katrina & The Waves die Verzweiflung in Hoffnung verzaubert hat. Life is not Hollywood.

Umgekehrt wurde auch nie ein chronisch Glücklicher von Selbstmordgedanken überfallen, weil die Nachbarin „Hurt“ von Nine Inch Nails aufgedreht hat und die Balkontüren dummerweise offen standen.

Pazifisten werden nicht von Nationalhymnen in Schützengräben gelockt, Massenmörder gestehen ihre Taten nicht, bloß weil ihnen die Beatles „All You Need Is Love“ ins Gewissen gesäuselt haben. Life is not a Ponyhof.

Wir hören am liebsten Musik von Menschen, die so fühlen, wie wir gerade fühlen. Wenn wir unsere Trauer nicht mehr zu ertragen meinen, dann tut es gut, wenn jemand von ihr singt. Wenn da noch ein Mensch ist, der versteht, wie es ist, irgendwie auf der falschen Straßenseite unterwegs zu sein und da einfach zu viele Autos unterwegs sind.

Marì singt von der unerwiderten Liebe, von Sex ohne Gefühl, vom eiskalten Ex-Lover, von Einsamkeit, von Trennungen und davon, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Körper wie ein fremder Sack aus Fleisch und Knochen ist.

Und da jeder, der in der Lage ist, Emotionen zu empfinden, früher oder später in seinem Leben an einen Punkt kommt, an dem gerade diese Art von Musik überlebenswichtig wird, ist es gut, dass es gerade diese Art von Musik gibt, auch wenn sie keinen sexy Werbetext abgibt. Nur gute Laune ist leicht zu vermarkten.

Das neue Album „Making Peace With Uncertainty“ ist keine Gute-Laune-Musik und hoffnungsvolle Silberlinien sind am dunklen Horizont kaum auszumachen, so sehr auch das Marketing dies gerne hätte. Aber das macht nichts. Wir heben das auf. In der schwarzen Schublade mit der schwarzen Musik.

Speziell „The Morning After“ mit seinem unerwarteten Twist, „Never Meant No Harm“ mit seinem unerwarteten Ende und der Track „Uncertainty“ bleiben im Gehörgang hängen.

Wie es in „Uncertainty“ heißt: „Am Ende des Tages haben wir es doch beide gewusst: Wir konnten niemals gewinnen. Aber: Hoffnung ist eben eine Disziplin. Ich wollte eigentlich nur, dass du mich wirklich siehst.“

Wir sehen dich, Marí. Wir machen doch schon Platz in der Schublade! „Dann lasse ich mein Licht an. Falls du wirklich vorbeikommst. Ja. Ich lasse mein Licht an – ich hoffe, Du schaffst es noch, bevor es ausgeht.“

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