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King Hannah galten noch vor ihrem Debütalbum als große Shoegaze- und Dream-Pop-Hoffnung. Grund dafür waren nicht nur die atmosphärischen Songs des Duos, sondern gerade auch die im Bandnamen inbegriffene Zentrierung auf Sängerin und Gitarristin Hannah Merrick, die mit ihrer geschulten Stimme im Stande war, den royalen Unterschied zu machen.

Dass sie bereits auf dem zweiten Album noch ein Stück mehr ins Zentrum rückt, ist einerseits schmeichelhaft, anderseits macht es die gehegten Hoffnungen zunichte. Denn mit „Big Swimmer“ verabschieden sich die Liverpooler unmissverständlich aus den mit Halleffekten beschlagenen Genres, in denen sie angetreten waren.

Wenn man so möchte, ist „Big Swimmer“ das genaue Gegenteil: Unmittelbar, direkt und extrem differenziert. Nichts wirkt hier verhangen, nichts hinter Feedback und Reverb verträumt. Dem einstigen Dream-Pop fehlt schlicht die Träumerei.

Stattdessen überrascht zunächst eine beinahe klassische Singer/Songwriter-Schule im Auftakt- und Titelsong, der mit Sharon Van Etten als Gastsängerin die Prominenz dieser Stilrichtung direkt mit einpreist.

So genügsam bleibt es im ebenfalls mit Van Etten produzierten „This Wasn’t Intentional“ oder im schönen und schön zuträglichen „Suddenly Your Hand“ – aber eben längst nicht immer.

Denn nicht nur Hannah Merrick steht ungeschminkter im Zentrum, auch Lead-Gitarrist Craig Whittle versteckt seine Ambitionen nicht länger hinter Effektpedalen, es sei denn sie haben genug Distortion.

„The Mattress“ und „New York Let’s Do Nothing“ sind in Sachen Gitarrenarbeit gleichermaßen rau, raffiniert und leicht spröde. Immer jedoch mit einer ungeschliffenen Oberfläche versehen, die fast noch mehr überrascht als Merricks stimmliche Präsenz.

Hier vollzieht eine Band offensichtlich auf allen Ebenen früh einen Wandel, der sich fundamental von ihrer ersten Platte unterscheidet. Beide Versionen von King Hannah sind exquisit und machen Lust auf weitere Prozesse.

Für den Moment dürfte die knarzige Mixtur aus Singer/Songwirter, Indie- und Alternative-Rock vor allem in gefühlsbetonten Akademikerkreisen überzeugen.

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