Tagebuchschreiben ist nicht nur ein Mythos; es hat tatsächlich eine heilsame Wirkung. Ein Tagebuch ist ein Gespräch, das du mit dir selbst führst. Es hilft dir, zu reflektieren, schöne Momente festzuhalten, negative Erinnerungen zu verarbeiten, schlechte Laune zu vertreiben, Gedanken und Ideen zu sammeln und dir selbst Raum zu geben.
Genau dieses Konzept scheint der Hamburger Sänger Michèl von Wussow in musikalischer Form aufgegriffen zu haben. Auf seinem zweiten Album „Traum B“ setzt er sich intensiv mit persönlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen auseinander.
Dabei wird schnell klar: Hier geht es nicht um seichte Pop-Melodien, sondern um große Themen wie Trauma, Angst und – fast noch wichtiger – Hoffnung. Kein Wunder also, dass das Album-Bundle ein Notizbuch enthält, das sich perfekt als Tagebuch und kleiner safe space nutzen lässt.
Während das Debütalbum „Angst gegen Vertrauen“ bereits tiefgründige Themen behandelte, geht Michèl von Wussow auf „Traum B“ noch einen Schritt weiter: Die Botschaften sind direkter, die Emotionen unverblümter – als wolle er nichts unausgesprochen lassen.
Bereits der Titeltrack packt die Hörer*innen direkt nach einem instrumentalen Intro mit kraftvollen Gitarrenriffs und Michèls markanter Stimme. Emotionen, über die man normalerweise eher schweigt, ziehen sich wie ein roter Faden durch die gesamte Tracklist.
In „Geschichten von früher“ reflektiert der Sänger intensiv über vergangene Erlebnisse und Kindheitstrauma, während „Alles geht vorbei“ die bittere Wahrheit beleuchtet, dass manche Narben ein Leben lang bleiben.
Musikalisch bleibt Michèl seinen Wurzeln treu, indem er weiterhin auf eingängigen Indie-Pop setzt, der trotz einer klaren, vertrauten Struktur stets genug Spannung bietet. Im Vergleich zum Debütalbum wurde die Akustik-Gitarre jedoch gegen E-Gitarren eingetauscht, um seiner Energie gerecht zu werden.
Die Einflüsse sind deutlich zu hören, doch der Hamburger setzt dem Ganzen seine eigene laute und wütende Note auf. Mit „Traum B“ entgeht der Songwriter dem sogenannten Sophomore-Fluch und erfüllt alle Erwartungen an ein zweites Album:
Verletzlicher, ehrlicher und gefühlvoller Deutsch-Pop, der durch seine abwechslungsreiche Klanglandschaft die Emotionen des Sängers perfekt einfängt.
„Traum B“ stellt den nächsten Schritt in Michèls musikalischer Reise dar, eine natürliche Fortführung dessen, was er mit „Angst gegen Vertrauen“ begonnen hat.
Ein einheitliches Album, das trotz seiner thematischen Schwere nie erdrückend wirkt. Am Ende bleibt die Botschaft: Egal wie tief das Trauma sitzt, es gibt immer einen „Traum B“ – einen Weg weiterzumachen.
