Es gibt Momente im Leben, die man nicht vergisst. Dazu gehören sicherlich Augenblicke wie jener, der auf dem Coverbild von Long Tall Jeffersons viertem Album „Old Sun, New Horizon“ für die Ewigkeit festgehalten wurde:
Ein friedvoller Abend am See, im Hintergrund das letzte Licht eines ausklingenden Tages, im Fokus der Künstler, sanft und gütig beleuchtet durch das Lagerfeuer, in das er nachdenklich seinen Blick richtet. Und genau wie solch ein Abend am Lagerfeuer pendelt das neue Album in seiner Stimmung zwischen leiser Melancholie und bescheidener Lebensfreude.
Bereits mit dem Opener „Feel Like Myself“ entführt uns Long Tall Jefferson in eine Welt, in der es „kein wirkliches Ankommen gibt – nur sich ständig ändernde Ziele und flüchtige Momente der Zufriedenheit auf der fortwährenden Reise des Lebens“.
Rhythmus- und Leadgitarre, um verträumte Effekte bereichert, die warme Stimme des Künstlers perfekt untermalt durch Backing Vocals der Schweizer Sängerin Andrina Bollinger, dazu dezent eingesetzte Synthesizer und eine unaufdringliche Percussion – schon nach wenigen Takten wird den Hörer*innen klar, dass Long Tall Jefferson mit diesem Album eine musikalische Entwicklung fortführt, die er seit seinem Debütalbum „I Want My Honey Back“ von 2016 konsequent verfolgt. Mit jeder neuen Produktion wurde seine Musik vielschichtiger, filigraner, bunter.
Diese musikalische Vielseitigkeit findet sich auch in den unterschiedlichen Stimmungen wieder, die „Old Sun, New Horizon“ transportiert. Vom leisen, nahezu wehmütig vorgetragenen „Spark“ über das locker leichte „Figure It Out“, dessen entspannte Sologitarre an den Stil Mark Knopflers erinnert, bis hin zum etwas düsteren „Above The Ceiling In The Sky“ mit einem fragilen, fast schon brüchigen Gesang. Eine Platte, die das Leben in seiner ganzen Bandbreite reflektiert.
Als Co-Produzent wirkte Long Tall Jefferson’s langjähriger Freund und Multiinstrumentalist Mario Hänni mit. Zusammen nahmen sie während der Produktion immer zwei Spuren gleichzeitig auf: beide Gitarren, Bass und Schlagzeug, verschiedene Overdubs.
Diese Vorgehensweise tat dem Album hörbar gut, der Klang der 11 Songs ist authentisch, natürlich und intim. Und manchmal meint man, die ein oder andere Improvisation herauszuhören.
„Old Sun, New Horizon“ ist eine Platte, die trotz schwermütiger Momente nie die Hoffnung verliert. Angesiedelt irgendwo zwischen Singer/Songwriter und Indie-Folk, mit einer durch Lo-Fi bestechenden Ehrlichkeit, dabei voll kompositorischer Phantasie. Und voller Wärme.
