Der Planet läuft heiß. Das Herz bleibt kalt. So lässt sich „Lieblingslieder“ zusammenfassen, das Debütalbum der Wiener Band Low Life Rich Kids.

Der Sound auf der Platte schwimmt in einem Stahlbad aus Zynismus und Weltschmerz. Irgendwo zwischen Rocko Schamoni und den Goldenen Zitronen. Ach ja: Die Neue (Neue) Deutsche Welle darf auch nicht fehlen.

Wobei die Newcomer aus Österreich mit dieser Zuschreibung so ihre Probleme haben. Über den Vergleich mit der Musik der Neuen Deutschen Welle können sie im Song „NNNDW“ nur müde lächeln.

„Lieblingslieder“ ist geradlinig und kommt direkt ins Gesicht. Ohne Umwege kommen die Texte zum Punkt. Sie treffen das Gefühl einer Generation zwischen Existenzangst und Lebensfreude.

Dabei lebt das Album auf zwei Planeten. Da gibt es zuerst den Planeten Erde. Auf dem wir alle leben. Und der ist gerade ziemlich am Arsch. Die Wälder brennen. Die Ozeane brodeln. Und der Mensch kocht sich langsam selbst zu Tode.

Aber dann gibt es auch den Planeten Mensch. Auf dem wir uns um unsere eigene Sonne drehen. Und um die eigene Angst vor Versagen und Zurückweisung. Der Mensch ist allein. Allein mit sich. Allein mit allen. Und vor allem allein mit all den Stimmen in seinem Kopf ohne Aussicht auf Ruhe.

Aus diesem Wechselspiel zwischen Umwelt und innerer Zerrissenheit entsteht ein Spiegel, in den wohl jeder von uns schon einmal geblickt hat. Ohne wirklich gerne hinsehen zu wollen.

Musikalisch und textlich erfinden Low Life Rich Kids das Rad aber nicht neu. Künstlerische Experimente sollte man nicht erwarten. Es gibt kein ambivalentes Spiel mit Licht und Schatten.

Stattdessen zeigt die Band klare Haltung. Wofür sie stehen und was sie scheiße finden: Daraus machen sie kein Geheimnis. Das kann man gut finden. Oder nicht. Es ist und bleibt eben Geschmackssache.

Mit „Lieblingslieder“ haben die Low Life Rich Kids auf alle Fälle ein vielversprechendes Debütalbum an den Start gebracht.

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