Am Anfang war die Katharsis. Das gilt zumindest für die Diskographie der Britin Yoshika Colwell: Auf ihrem Debütalbum „On The Wing“ beschreitet die Künstlerin mit sanften Fingergriffen die großen Momente ihrer 20er und stellt sich auch den dunkelsten Momenten. Dieses Coming of Age ist mehr Befreiungsschlag als emotionales Feuerwerk.

Im Pinterest-Moodboard würde Yoshika Colwell damit – wie das Albumcover schon ganz gut andeutet – perfekt in eine Kate-Bush-Cottage-Goth-Core-Ästhetik passen. Begleitet von mystischen Harfen, umgarnt von ätherischen Chören und mit einer bedeutungsschwangeren Intonation spielt Colwell ihren Folk für nachdenkliche Herbst-Momente.

Auch wenn die Stimmung über die 11 Songs des Albums gedrückt bleibt, ist zwischen den persönlichen Zeilen auch reichlich Platz für Melodien, die bleiben:

„In Bloom“ baut sich so pompös im Finale auf, „Turn My Face Away“ ist mit seinen Streichern sorgsam akzentuiert und die dramaturgische Verschleppung von „There’s Got To Be A Loser Babe“ kann auch Lana-Del-Rey-Erinnerungen wecken.

Vom Träumen von alten Freund*innen über die Distanz zwischen einem Liebespaaar bis zur überbordenden Langeweile und das Warten auf den Jahrhundertwechsel changiert „On The Wing“ einmal zwischen den großen Themen der Tagebücher der Generation Millenial.

Colwell ist damit gleichermaßen unauffällig und zaghaft wie auch unbedingt zeitgemäß und sowohl eine Mood als auch ein klarer Raum für Verbundenheit und emotionale Katharsis.

„On The Wing“ klingt als Debüt ausdifferenziert, ist klanglich überragend produziert und nimmt sich immer wieder Zeit und Raum, um die Melodien auszuformulieren.

Aber: Nicht alles hier ist so zart, wie die analoge Instrumentenwahl und Colwells zartes Timbre vermuten lassen: „My rage is so hot /and so dry / and I don’t know why“ („Once In A Blue Moon“) ist eine der Zeilen, die von der Vielschichtigkeit, dem zeitgenössischen Ansatz und dem Überraschungsmoment der Platte zeugen.

Stille Wälder sind tief. Und in Colwells Folk-Debütalbum kann man sich gut und gerne verlieren. Es wird keine Reise, die man schnell vergisst.

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