Der Berliner Produzent Timur Tokdemir, aka Mechatok steht für fragmentierte Electronica, die sich viel rausnimmt, um dann einigermaßen verschwenderisch damit zu jonglieren.

Das Ergebnis seines Debütalbums funkelt in den Nebelschwaden eines Berliner Kellerclubs – ideal für eine Generation, die sich in Zwischenräumen wohler fühlt als in klaren Kategorien.

„Wide Awake“ lebt von einer diffusen Flüchtigkeit in den Strukturen. Tracks wie „House Of Glass“ kennen nur wenig Verbindliches.

Immerhin das japanisch anmutende „Sunkiss“ liefert kulturell einen Fingerzeig. Doch im Wesentlichen gilt: alles kann, nichts muss.

Der in München geborene Produzent und Songwriter strickt seine Sounds sehr auf das Momentum hin und zeigt sich dabei von Künstlern wie Daft Punk und Gorillaz inspiriert.

Im direkten Vergleich fällt bei Mechatok jedoch vieles deutlich zerklüfteter aus und ist bisweilen nah dran an der Reizüberflutung. Womöglich spiegelt zwar genau das die im Zentrum stehenden Fragen nach Authentizität und Selbstausdruck in einer digitalen Welt wider.

Es bringt in der analogen Welt allerdings die Herausforderung mit sich, dass man zu dieser Musik auch abseits von Reels und Chatbots wie ein Avatar durchs Unterholz navigiert. Denn die damit verbundene hybride Ästhetik ist gleichzeitig kühl und irgendwo auch traurig.

So oder so. Dieses Alleinstellungsmerkmal im Sound verhilft ihm als erstem deutschen Künstler zu einer Veröffentlichung auf dem renommierten britischen Label Young, in deren Rooster er sich in bester Nachbarschaft zu Acts wie FKA Twigs und The xx befindet.

Vielleicht kann er hier ja noch was in Sachen in Emotionalität lernen.

 

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