Jonah Kagen, Singer/Songwriter aus Savanna in Georgia macht Fundamental-Folk, den man so schon zu Hauf gehört und wieder vergessen hat. Zum stereotypen Bild passt auch, dass er nach Nashville umgesiedelt hat, um dort sein Debütalbum „Sunflower And Leather“ anzugehen.
Jenem Ort also, der sich viel einbildet auf seine Folklore, den Country und das viel zitierte American Songbook. Blendet man zunächst die Musik aus, bleibt hier bereits dieser bittere Beigeschmack der Rückwärts-Gewandtheit, der erst vintage war, dann retro und inzwischen regelrecht gefährlich ist.
Schließlich wollen vielerorts, aber gerade in den USA, die reaktionären Kräfte einiges zurückdrehen, Fortschritt abbauen, und längst überwunden geglaubte Ungleichheit wieder salonfähig machen. Gegen jedweden Menschenverstand. Sie verkaufen das dann gerne als Tradition.
Sicher, dafür kann man Jonah Kagen nicht vor den Karren spannen. Aber grundsätzlich ist der Ersteindruck mit seinen Songs einer, der zwischen Mumford & Sons und Willie Nelson eine tradierte Folkromantik aufspannt, die so einfach nicht der Realität entspricht, von der die Reds aber gerne als Ideal fabulieren.
Entsprechend setzt sich Kagen mit seiner familär-religiösen Vergangenheit auseinander und landet in einem Song wie „Burn Me“ bei solchen Zeilen: „I don’t know if I was made from God’s hands, but I know my father is a good man”. Anstatt auf gegenwärtige Themen einzugehen, die alte Leier vom Glauben, damit auch der ein oder andere umnachtete Evangelikale hängen bleibt.
Oder nehmen wir „Black Lung“, dieses mit angerauter Stimme, Handclaps und obligatorischer Bassdrum austaffierte Stück. Das zieht so schön an diesem Ideal der Bodenständigkeit, an das die Republikaner appellieren, um das Gegenteil für sich zu beanspruchen.
Eine Bodenständigkeit, die Kagen mit seiner Reise durch den amerikanischen Süden und Westen – von South Carolina über Montana bis Nashville – kredibil untermauert, und damit die Erklärung liefert, warum das Album klingt wie es klingt. Nach Südstaaten, Sumpf und Wüste, nach Unbescholtenheit, zumindest an der Oberfläche.
Musikalisch lässt sich da auch nichts ankreiden, handwerklich ist das einwandfrei, aber eben auch für die Stange. Drehen die Songs ein paar Runden, beißt sich gar manche Melodie im Gehörgang fest, wie etwa die im Chorus von „Anvil“.
Wer aber irgendwo die Hoffnung hegt, dass sich dieses gespaltene Land irgendwann wieder vom Kopf auf die Beine stellt und dann grundlegend reformiert, der kommt mit dieser Art von Musik keinen Schritt weiter.
