Das Debütalbum „Faded Intentions“ von False Reality dreht das Hardcore-Genre durch den Fleischwolf. Die Band aus London präsentiert Songs, die roh klingen und doch auf Hochglanz poliert sind. Und lässt damit neuen Wind durch die Gänge einer Musikrichtung wehen, die allzu oft von Klischees lebt.
False Reality arbeiten mit einem musikalischen Vokabular, das an einflussreiche Hardcore-Bands erinnert. Ein ungeschminkt ehrlicher Stil, bei dem man an Genre-Größen wie Sick Of It All, Agnostic Front oder Trapped Under Ice denkt. Und doch geht die britische Band auf ihrem Erstlingswerk eigene Wege.
Statt die Urgesteine des Genres nur stumpf zu kopieren, wenden sich die Musiker um Frontsängerin Rachel Rigby gegen allzu vertraute Klischees und bieten Riffs, die pop-artig verfeinert wirken, aber uns wohltuend geradlinig die Faust in den Gehörgang rammen. Es ist ein kraftvolles Debüt, das rohe Energie mit emotionaler Direktheit verbindet.
„Faded Intentions“ konzentriert sich dabei auf’s Wesentliche. Pure Emotionen wie Wut, Frustration und Selbstzweifel wirken wie die Zutaten für einen Sturm, der uns mit sich reißt und keine Gefangenen macht. Diese Dynamik lässt während der gesamten Spielzeit der Platte kaum nach und zieht uns so in einen Adrenalinrausch.
Die Melodien wirken jedoch eher glattpoliert und vermitteln die emotionale Tiefe der Texte auf eingängige Weise. Hier zeigen sich die Sollbruchstellen einer Musik, die versucht, den Widerspruch von Authentizität und Anpassung zu überbrücken. False Reality wagen den Spagat zwischen Oldschool-Hardcore und einer Produktion, die für eine neue Generation von Hörer*innen geschaffen wurde.
Damit holt die Platte vermutlich nicht jeden ab. Manchen mag die Aufmachung zu sehr auf Beifall zu schielen. Und doch zeigen False Reality mit ihrem ersten Album eine Geradlinigkeit, die auch den härtesten Nostalgiker überzeugen kann.
Insgesamt ist „Faded Intentions“ ein Album, das sich vor der Tradition des Hardcore verbeugt, aber gleichzeitig den Willen zeigt, ein angestaubtes Genre an ein frisches Publikum anzupassen.
